Er war einer der ganz großen Kabarettisten Deutschlands, er starb - wie jeder begnadete Künstler - viel zu früh und prägte das Genre Kleinkunst wie es nur sehr wenige vermochten: Hanns Dieter Hüsch. CDs gibt es etliche von ihm, Mitschnitte, bei denen man ihn auch sehen kann, waren dagegen die Ausnahme. Bis heute, denn morgen erscheint eine DVD-Box, die Ausschnitte aus sieben Hüsch-Programmen enthält. Ein Leckerbissen für Kabarettfans.

Von F.-René Braune

Magdeburg. Hüsch war kein politischer Satiriker im klassischen Sinne, ein Revoluzzer in jungen Jahren wohl, verehrt und geliebt aber wurde er bis ins Alter für seine Tief- und Feinsinnigkeit.

Hanns Dieter Hüsch verstand es wie kein anderer, in den kleinsten Alltäglichkeiten die großen Fragen des Lebens zu entdecken, er nannte sich selbst einen literarischen Kabarettisten, der gern ein Clown wäre. War er - doch ebenso Poet, Philosoph, Zeitgeistkritiker, Literat, Schelm und Beziehungstheoretiker. Im Volksstimme-Interview sagte Hüsch einmal: "Ich berichte über unser Nebeneinander, unser Miteinander, unser Untereinander und natürlich unser Durcheinander", und dann forderte er, dass über allem doch eigentlich die Liebe zum Menschen stehen müsse.

Genau diese Menschenfreundlichkeit war seine Motivation, jahrzehntelang auf die Bühne zu gehen. Hüsch konnte sich über japanische Filme, in denen "stundenlang gesäbelt wird", ebenso köstlich amüsieren, wie er die skurrilen Begebenheiten im Miteinander von Mann und Frau, Mann und Mann oder Mensch und Möbel kabarettistisch sezierte.

Eines seiner Lieblingsthemen war immer der Niederrhein und die Menschen, die ihn bevölkern. "Der Niederrheiner weiß nichts, kann aber alles erklären", war einer seiner bevorzugten Sätze. Und dass dieser ganz besondere Menschenschlag "aggressiv gehemmt sei". Indem er die kleinen menschlichen Macken unter die Lupe nahm, kritisierte er das gesellschaftliche Tun, ohne das Wort "Gesellschaftskritik" in den Mund zu nehmen.

All dies lässt sich mit der DVD-Box "Hüsch" wunderbar nach- und neu erleben. Der Untertitel "Sieben Kabarettprogramme aus drei Jahrzehnten" ist allerdings ein wenig euphorisch formuliert, denn tatsächlich handelt es sich um Ausschnitte aus sieben Programmen, deren jeweilige Länge von 52 Minuten bis zu 84 Minuten reicht. Es handelt sich ausschließlich um Fernsehaufzeichnungen, was die gekürzten Versionen erklärt: Ein komplettes Programm von gelegentlich schon mal zwei Stunden Dauer zu senden, war im deutschen Fernsehen eher unüblich.

Es beginnt mit dem Programm "Behagliche Kritik mit Unbehagen" aus dem Jahr 1973, führt beispielsweise über "Am Niederrhein" (1987) und endet mit "Wir sehen uns wieder" aus dem Jahr 1999.

In all diesen Programmen beweist der Kabarettist immer wieder auf das Erstaunlichste, mit welcher Akribie er das Leben im Großen und Ganzen und vor allem im ganz Kleinen betrachten, bewerten und interpretieren konnte. Die Wirkung, die er bei seinen Zuschauern erreicht, beschrieb er selbst so: "Ich baue auf die Bewegtheit, die Erschütterung, die beiden großen Pole Lachen und Weinen".

Komplettiert wird das Angebot der DVD-Box durch drei weitere sehenswerte Fernsehproduktionen, darunter ein "Zeitzeugen"-Interview mit Hüsch und eine Dokumentation.

Alles in allem bieten die drei DVDs rund 560 Minuten, die nicht nur wunderbare Unterhaltung garantieren, sondern ebenso Entwicklung und Lebensweg eines ganz Großen der deutschen Kleinkunstszene dokumentieren. In den 53 Jahren, die er auf deutschen Bühnen zu Hause war, begeisterte Hanns Dieter Hüsch ganze Generationen. Er starb am 6. Dezember 2005 im Alter von 80 Jahren.