Der Dom zu Halberstadt steht für eine lange musikalische Tradition. Rein kirchenmusikgeschichtlich betrachtet sind die zwölf Jahre Domfestspiele nur ein bescheidener Zeitstrahl in der Geschichte der gotischen Kathedrale. Inhaltlich aber stehen die Festspiele keineswegs für Bescheidenheit. In diesem Jahr warten sie auf mit Haydns "Schöpfung", Mahlers "Lied von der Erde" und einer Ballett-Uraufführung.

Von Grit Warnat

Halberstadt. Im vergangenen Jahr wäre Gustav Mahler 150 geworden. Da hatten die Organisatoren der Domfestpiele die Sinfonie der Tausend auf die Beine gestellt. Das Mahlersche Monumentalwerk wurde zur großen künstlerischen und logistischen Herausforderung: Fünf Chöre und drei Orchester waren zu erleben.

Das war etwas ganz Großes, sagt Johannes Rieger, Intendant des Nordharzer Städtebundtheaters. Aber nicht jedes Jahr könne man, wolle man höher, weiter, besser sein. Für das neue Programm nennt er zwei Attribute: interessant und bemerkenswert.

Theater, Moses-Mendelssohn-Akademie, Kantorei, Domschatz und John-Cage-Orgelstiftung bieten Ballett, Musik, Literatur, eine Ausstellung - ein vielfältiges Programm. Es startet am 1. Juni mit einem Gesprächskonzert. Jutta Dick, Direktorin der Moses Mendelssohn Akademie, und Solisten des Nordharzer Städtebundtheaters (Gartensaal Mahndorf, 19.30 Uhr) werden unter dem Titel "Die Wiener Nachtigall" aus dem Leben der österreichischen Opernsängerin Pauline Lucca (1841-1908) erzählen und den Lebensweg musikalisch illustrieren..

Gespannt sei Rieger, so sagt er, wie "Maria Magdalena" (2. Juni, 19.30 Uhr) mit elektronischen Klängen und Orgelmusik in der Akustik des Domes wirken werde. Die beiden Uraufführungen zu dieser spannenden Figur - Ballett von Jaroslaw Jurasz und Musik von Irineos Triandafillou - nennt er einen "interessanten Mix". Maria Magdalena ist auf Darstellungen auch im Dom zu sehen - eine Sonderführung bietet der Domkustus an.

Mit dem Mitteldeutschen Kammerorchester, dem Magdeburger Domchor und der Kantorei Halberstadt sowie den Solisten Ute Selbig (Sopran), Martin Petzold (Tenor) und Gotthold Schwarz (Bass) wird das Joseph-Haydn-Oratorium "Die Schöpfung" (4. Juni, 18 Uhr) aufgeführt. "Hadyn brachte in dieses Werk sein ganzes Können ein", sagt Domkantor Kirchenmusikdirektor Claus-Erhard Heinrich, der die Aufführung des vielschichtigen Werkes mit symphonischer Einleitung, Rezitativen, Arien und Chören leitet.

Fortgesetzt wird der Gustav-Mahler-Zyklus. 2011 ist der 100. Todestag des Komponisten. Im Dom erklingt zum Abschluss der Domfestspiele am 5. Juni (18 Uhr) "Das Lied von der Erde", Mahlers großer sinfonischer Liederzyklus, für den er den Titel Sinfonie mied, weil er Angst hatte, eine 9. Sinfonie könnte wie bei Ludwig van Beethoven oder Anton Bruckner die letzte seines Lebens sein. Erklingen wird in diesem Konzert, in dem das Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters mit dem Philharmonischen Kammerorchester Wernigerode gemeinsam auftreten wird, auch "Die Himmelfahrt" von Olivier Messiaen.

Die Ausstellung "Schreiben ohne Ort" in der Klaussynagoge wird am 3. Juni eröffnet.