Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Die beiden Zwickmühlenmitstreiter Marion Bach und Klaus Schaefer kamen sehr optimistisch auf die Bühne. Ihr neues und erstes Duo-Programm führt Langzeitarbeitslose vor, die sich zur 100. Stunde Bewerbertraining treffen, und die beiden Trainer auf der Bühne beginnen sogleich mit Motivationsübungen. Es bedurfte einiger Wiederholungen, bevor die Gäste im Saal ein lautstarkes Unisono "Wir denken positiv" zu Wege brachten. Das war auch dringend nötig, denn ohne positives Denken konnte das Programm gar nicht erst richtig starten.

Beide Akteure, die ja durchaus keine Anfänger auf der Kleinkunstbühne sind, waren sehr nervös, Klaus Schaefer unterliefen viele Textstolperer, und auch Marion Bach hatte Mühe, den richtige Spielfluss zu finden. Es sollte sich im Laufe des Abends zeigen, dass Grund zur Nervosität bestand. Dies lag vor allem an den Texten, eine Auswahl aus den Schubladen der beiden von unterschiedlichen Autoren.

Das Thema "Arbeit" war nur eine sehr lockere Klammer um das Nummernprogramm, aber dies war wohl weniger der Grund für das Unbehagen, welches sich breit machte. Die meisten Kabarettprogramme sind so gebaut und können doch höchst spannend sein.

Das Problem dieses "büßenden Arbeitstiers" bestand darin, dass nahezu alle Nummern nicht trafen, teils, weil die Aktualität der satirischen Spitzen lange vorbei ist, wie etwa beim Recycling des einstmals so treffenden "Solidaritätskonzertes", in dem Konsumbereitschaft zur Rettung der heimischen Wirtschaft angemahnt wird, oder bei solchen "Spitzen", in denen "der Staat" den Bürger mittels Steuern schröpft – kein Treffer nach 20 Jahren Neoliberalismus und den die öffentlichen Kassen ruinierenden Steuersenkungswettbewerb.

Die Ironie wurde nicht deutlich

Teils trafen aber auch zeitlosere Pointen daneben, etwa wenn in einem Song angemerkt wird, dass es nun gerade die Prostituierten seien, die sich um Moral nicht scherten und denen spaßiges Vergnügen unterstellt wird, den Wünschen ihrer Freier nachzukommen.

Da war es auch kein Wunder, dass Ärzte die satirische Prügel bezogen, die der Gesundheitspolitik hätte gelten müssen, oder beim Besuch auf dem Bauernhof gefragt wird, warum das Fleisch im Supermarkt so teuer ist – unverständlich, wenn es ein halbes Pfund Gehacktes für 90 Cent gibt…

Das sind Fehlschüsse, die politisch-satirisches Kabarett nicht verträgt, und so war es auch kein Wunder, dass in einem der zahlreichen, doch meist ganz schön gesungenen Songs die Zeile vorkommt "Das Kabarett ist tot oder geht langsam ein…" Es war wohl ironisch gemeint, wie sicher so manch anderer Text auch, aber es gelang nicht, dies zu zeigen. Wen der eigene Text nicht überzeugt, der kann auch nicht gut spielen.

Doch, es gab auch gute, treffende Texte, etwa wenn der Banküberfall zur Anlageberatung mutiert und der erfolgreiche Bankräuber nach wenigen Computerklicks mittels Zinswette wieder verliert. Allerdings wäre auch hier von gutem Kabarett doch zumindest eine winzig kleine Bemerkung zum Tagesaktuellen des Themas zu erwarten gewesen. Das blieb aus, wie auch die ganze politische Realsatire der letzten Woche völlig unerwähnt blieb. Schade, es ist kein Programm geworden, das in die Magdeburger Zwickmühle gehört.