Berlin (dapd). Eine große Handpuppe, die aussieht wie der libysche Diktator Muammar al-Gaddafi, steht im Scheinwerferlicht im Berliner Theater Sophiensaele. "Berlin begrüßt den großen Revolutionsführer", verkündet ein als Leibwächter verkleideter Schauspieler. Plötzlich ist der Lärm von Schüssen aus Schnellfeuergewehren zu hören. Die vier Schauspieler werfen sich schützend über die Puppe. "Safe!", schreit einer und die Gaddafi-Puppe steht wieder auf und bedankt sich für die Willkommensgrüße.

Das Theater-Puppenspiel "King of the Kings" der bosnischstämmigen Regisseurin Ivana Sajevic zeigt die "Polit-Pop-Ikone Gaddafi und dessen Kunst der Selbstinszenierung in einem Politthriller", wie die 32-Jährige sagt. Geführt wird die Handpuppe von den beiden Puppenspielerinnen Anna Menzel und Annemie Twardawa, die ihn auch abwechselnd sprechen. Auf ihre Aufgabe haben sie sich mit Tonaufnahmen und Videos von Auftritten des Diktators vorbereitet.

"In Anlehnung an die weibliche Leibgarde Gaddafis hauchen ihm in unserem Stück zwei Frauen Leben ein", erklärt die Regisseurin.

Das Stück kommt zu einer politisch brisanten Zeit, denn in Libyen liefern sich Gaddafis Regime und die Opposition derzeit blutige Gefechte um die Macht. "Er ist ein Meister der Inszenierung, das macht ihn für das Theater sehr interessant", sagt Sajevic. Von den politischen Ereignissen in der arabischen Welt sei die Schauspielgruppe jedoch überrascht worden, das Konzept stand bereits im vergangenen Jahr.

"King of the Kings" ist ein Beitrag zum Festival Freischwimmer 2011 (10. bis 19. März), das nach Veranstalterangaben eines der wichtigsten Nachwuchsfestivals der freien Theaterszene ist. Neben Berlin, wo es morgen (10. März) Premiere feiert, wird das Stück im Rahmen des Festivals auch in Düsseldorf, Hamburg, Wien und Zürich aufgeführt.

In der deutschen Hauptstadt wird das Stück nach seiner Premiere noch zweimal am 11. und 12. März zu sehen sein.