München (dpa). "Manchmal muss man sich von zu Hause entfernen, um zu erfahren, was man zu Hause hat", formuliert Benno Hurt das Leitthema seines neuen Romans "Im Nachtzug". Wieder einmal wird der Regensburger Autor seinem Ruf als ebenso realistischer wie poetischer Chronist gerecht, der das alltägliche Leben in der Bundesrepublik zu beschreiben versteht.

Im neuen Buch taucht er ein in die 1960er Jahre: Michael Kaltenbach, ein junger Jurist aus der Provinz, besteigt den Zug nach Köln, denn ein Verlag hat ihm Hoffnung auf die Veröffentlichung einer seiner Kurzgeschichten gemacht. Begleitet von Eugen, seinem Freund, der "ein wenig mit der Zunge hinkt", so gut wie alles über Sterne weiß und etliche Dosen Bier der Marke Astra zum Proviant beisteuert, fährt Michael mit Heinrich Bölls "Brot der frühen Jahre" im Koffer der Großstadt und ihren Verheißungen entgegen.

Doch weniger die Fantasien über seine glanzvolle Zukunft als Schriftsteller gehen ihm durch den Kopf. Vielmehr schweifen seine Gedanken immer wieder in die Vergangenheit – zu seinen Eltern, dem Vater vor allem, der in Michaels fiktivem Heimatort Kürren als Anwalt eine prominente Position einnimmt.

Benno Hurt: Im Nachtzug, Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 260 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3-4232-4828-0