Berlin (epd). Zu ihrem 150. Geburtstag zeigt die Berliner Alte Nationalgalerie erstmals wieder komplett den Grundstock der Sammlung, der 1861 zur Museumsgründung geführt hat. Ab dem heutigen Mittwoch werden in dem Haus auf der Museumsinsel 140 von insgesamt 262 Werken der Sammlung Joachim Heinrich Wagener präsentiert, teilten die Staatlichen Museen Berlin gestern mit.

Die Gemälde von Caspar David Friedrich, Karl Friedrich Schinkel und anderen waren dem preußischen Staat mit der Auflage vermacht worden, eine "nationale Galerie" zu errichten. Ihre erstmalige Präsentation am 22. März 1861 nur wenige Wochen nach dem Tod des Stifters gelten als Geburtsstunde der Berliner Nationalgalerie, die ihr Domizil auf der Museumsinsel aber erst 15 Jahre später bezog.

Als Gegenstück zu dem im Ostteil der Stadt gelegenen Museum wurde 1968 in West-Berlin die Neue Nationalgalerie eröffnet. Konsul Joachim Heinrich Wagener (1772-1861) war ein leidenschaftlicher Kunstliebhaber, der schon früh seine Aufmerksamkeit auf das Werk lebender Künstler konzentrierte.

Er pflegte den Kontakt zu den Malern und regte sie zu Bildern und Sujets an. Als erstes Bild kaufte er 1815 die "Gotische Kirche auf einem Felsen am Meer" von Schinkel persönlich, weitere vier Originalgemälde und sieben Kopien folgten. Wagener begann mit der Berliner Malerei, sehr schnell erwarb er auch Werke der Düsseldorfer Schule und weitete sein Interesse schließlich auf die europäische Gegenwartskunst aus. "Er hatte den Ehrgeiz, den Gang der Kunstgeschichte in seinen Jahrzehnten in seiner Sammlung darzustellen", so Kuratorin Angelika Wesenberg.

Bilder sind erstmals seit 150 Jahren zu sehen

Wagener erwarb aber auch Darstellungen europäischer Demokratiebewegungen wie Dietrich Montes berühmtes Bild "Finis Poloniae" oder die "Palikaren bei Athen" von Peter von Hess, eine Szene aus der griechischen Befreiungsbewegung.

Wilhelm Joseph Heines "Gottesdienst in einer Zuchthauskirche" von 1838 zeigt Gefangene, bewacht von preußischen Soldaten, die eindeutig keine Verbrecher, sondern studentische Widerständler sind.

In der jetzt gezeigten Ausstellung sind zahlreiche Bilder erstmals seit 150 Jahren wieder zu sehen. Nur 25 Gemälde, darunter Meisterwerke der romantischen Malerei, gehören zur Dauerausstellung der Nationalgalerie.

Die Ausstellung "Die Sammlung des Bankiers Wagener. Die Gründung der Nationalgalerie" ist bis zum 8. Januar 2012 in der Alten Nationalgalerie auf der Berliner Museumsinsel dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 22 Uhr zu sehen.