Von Klaus-Peter Voigt

Magdeburg. Vom Künstler selbstgebackene Kekse im Totenkopfdesign und bunte Dragees wurden zur Vernissage gereicht. Noch Tage nach der Eröffnung der ersten 2011er Ausstellung in der Magdeburger Galerie "Himmelreich" stimmten Überbleibsel davon auf unkonventionelle Art auf die Schau "Delirium" von Matthias Krüger ein. Störungen des Bewusstseins, der Wahrnehmung macht der Berliner Fotograf zum Thema seiner Arbeiten. Zu sehen sind die 60 Bilder bis zum 4. Februar.

Jugendliche feiern heute anders als noch vor vielleicht 20 Jahren. "Party machen" liegt im Trend, bis zum Delirium durch Alkohol oder Drogen scheint es dann oft nicht weit zu sein. Krüger hat sich auf die Suche gemacht. In Berliner Klubs fing er Szenen ein, die sich den Leuten über 30 sonst vermutlich eher selten offenbaren. Seine Tochter nahm ihn mit, war so etwas wie Brückenbauer in eine andere Welt. Einfach die Kamera aus der Tasche holen, das ging dort nicht. Ohne Vertrauen hätte sich die Nähe zu den abgelichteten zumeist jungen Leuten kaum erreichen lassen.

Der Fotograf suchte die dokumentarische Originalität und fand sie auch. Keine supermoderne Digitalkamera war sein Begleiter. Ein einfaches Modell mit klassischen Filmen - ja, das gibt es noch - hatte er bei seiner Entdeckungsreise dabei. Diese Kleinteiligkeit und Unauffälligkeit war wohl das Geheimrezept. Es ging Krüger nicht um das technisch perfekte Foto schlechthin, sondern um Stimmungsbilder, flüchtige Momentaufnahmen. Sie sind auf der einen Seite erschreckend offen, ohne verletzen zu wollen. Unschärfen prägen die Bilder, eine extreme Farbigkeit lässt die Welt des "neuen Feierns" nacherlebbar werden. Man fühlt sich mitten hinein versetzt in die Orte ungezwungenen Zusammenseins, wo vielleicht auch zu viel getrunken wird, wo der nicht nur flüchtige Kuss auf der Tanzfläche Normalität zu sein scheint. Die Abkehr vom Alltag ist allgegenwärtig, es wird probiert. Zwänge bleiben vor der Tür, jeder will er selbst sein, ohne Regeln und mit zumindest einer Spur Aufbegehren gegen die Zeit und gesellschaftliche Rahmen. Das gab es schon immer.

In anderen Projekten geht Matthias Krüger auch auf die Menschen zu. Sie scheinen ihm wichtig zu sein, mit ihren Problemen setzt er sich auf sehr offene und einfühlsame Art auseinander. Der Mann Mitte 40 sucht solche Herausforderungen. Als Kameraassistent beim Fernsehen der DDR war er tätig, wechselte dann wieder in seinen eigentlich erlernten Fotografenberuf, studierte später an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.