München (dpa). Tiger, Bär und Tigerente sind allgegenwärtig. Vom Schnuller über Zahnbürsten und Anti-Rutsch-Socken bis hin zum Kinderfahrrad – überall tummeln sich die niedlich-skurrilen Wesen aus der Geschichtenwelt von Janosch. Kaum ein Haushalt mit Kindern, in dem sich nicht zumindest eine Sache davon findet, und sei es in Form eines Buches. Eltern mögen Janosch, denn seine Helden sind frech, aber auch liebevoll, respektlos und trotzdem höflich. Ihre Welt ist friedlich und meist so wunderbar heil, dass auch Erwachsene sich gerne darin verlieren. Am Freitag, 11. März, wird der Urheber dieser Geschichten 80 Jahre alt.

Es ist eine Idylle, die Janosch für seine Figuren geschaffen hat. Einträchtig leben Bär und Tiger in ihrem Häuschen, sie suchen Pilze und schlemmen Waldbeerenkompott mit Honig. Und wenn der Tiger krank ist, weil einer seiner Streifen verrutscht ist, kümmert sich der Bär aufopferungsvoll um ihn. Ein unschuldiges Paradies, das sich der Urheber vielleicht als Gegenentwurf zu seiner eigenen schlimmen Kindheit erschaffen hat. Ein prügelnder, trinkender Vater, eine strenge Mutter. Ein Leben unter Hitler und mit den Schrecken des Zweiten Weltkrieges. Später die Aussiedlung aus der Heimat Zabrze im damaligen Oberschlesien und heutigen Polen und ein Neubeginn in Oldenburg.

"Die ersten Jahre meines Lebens waren die totale Zerstörung meiner Person", sagte Janosch, der eigentlich Horst Eckert heißt, in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Auch mit der streng katholischen Erziehung kam er nicht zurecht und wurde später ein heftiger Kirchenkritiker. Doch er erlebte auch schöne Momente – etwa an zwei Weihnachtsfesten. Der Vater war aus dem Krieg zurück, die Familie hatte alles verloren. Dennoch gab es Geschenke: Mais mit Rosinen und ein Jahr später einen Mantel. "Das war ein wahres Geschenk – ich könnte heute noch vor Freude heulen", sagte der Schriftsteller einmal der "Frankfurter Rundschau".

So berühmt wie Janosch heute ist, mit mehr als 300 Büchern und Übersetzungen in rund 40 Sprachen, so mühsam waren seine Anfänge. Die Kunstakademie in München nahm ihn nicht auf. Und auch sein erstes Buch "Die Geschichte vom Pferd Valek" war kein großer Erfolg. Doch Janosch schrieb und illustrierte weiter. Er schuf Bücher wie "Hannes Strohkopp und der unsichtbare Indianer", "Janosch erzählt Grimms Märchen" und "Lari Fari Mogelzahn". 1979 kam der Durchbruch mit "Oh wie schön ist Panama".

Auch für Erwachsene war Janosch tätig – er verfasste Theaterstücke und Romane und bebilderte die pikanten Geschichten des französischen Adligen Marquis de Sade.

Auch Film und Fernsehen entdeckten seine Geschichten. Zu Janoschs Geburtstag startet ab Freitag "Die Tigerentenbande" im Kino, ein lustiger Zeichentrickfilm, der auf einer Fernsehserie basiert. Im Mittelpunkt steht der Anti-Held Hannes Strohkopp, den alle ärgern. Nur in der Tigerentenbande ist er unter Gleichgesinnten. Doch dann wird das schwarz-gelb gestreifte Maskottchen entführt und Hannes und seine Freunde müssen die Tigerente befreien.

Schnuddel, Kasper Mütze und vor allem die Tigerente – sie scheinen omnipräsent. Die Urheberrechte an den Werken bündelt mittlerweile die Janosch Film & Medien AG. Ein einträglicher Rummel um Lizenzrechte und Vermarktung, der Erfolgsautor macht sich am liebsten rar. Er genießt den Ruf eines etwas kauzigen Künstlers. Auch Interviews führt er höchst ungern und würzt sie gerne mit deftigen Aussprüchen.

Im Jahr 1980 zog sich Janosch zurück auf die Kanaren-Insel Teneriffa, wo er seitdem mit seiner Partnerin lebt. Bücher wolle er nun keine mehr schreiben, erklärte er unlängst. Sein Traum stattdessen: Reisen und in der Hängematte liegen.