Nicht nur ob des riesigen Musikerapparates, nein, das letzte Sinfoniekonzert der Magdeburgischen Philharmonie dieser Spielzeit war vor allem aufgrund des beglückenden musikalischen Erlebnisses auch ein würdiger Abschluss des Mahler-Jubiläumsjahres.

Magdeburg. Mit den Gesangssätzen der "Auferstehungs-Sinfonie" des großen Sinfonikers bestätigte sich Generalmusikdirektor Kimbo Ishii-Eto zum Abschluss seiner ersten Magdeburger Spielzeit erneut als Verehrer des großen Sinfonikers. Diesmal setzte er die sinnliche Klangwelt Gustav Mahlers in einen spannenden musikalischen Kontext mit Joseph Haydn und Benjamin Britten.

Die lebendige Haydn-Sinfonie Nr. 70 D-Dur war ein reizvoller Konzertauftakt und ein Beleg dafür, dass ohne Haydns Experimentierfreudigkeit die Geschichte der Sinfonik wohl anders verlaufen wäre. Diese für seinen Dienstherrn Fürst Esterházy 1779 komponierte Sinfonie (Haydn schrieb insgesamt 104) ist eine der nur zwei Sinfonien, die eine richtig durchgearbeitete Fuge als Schlusssatz aufweisen. Ishii-Eto und das Orchester fanden in ihrer Interpretation eine hervorragende Balance zwischen herausfordernden stilistischen Kontrasten und durchdachten motivischen Entwicklungen. So verschmolzen Haydns "galanter" und "gelehrter" Stil in einen einzigen – und das wirkte.

Mit imposanter Differenziertheit

Fast 200 Jahre nach Haydn stellte sich Benjamin Britten in diese Tradition. Zudem war er ein großer Bewunderer Gustav Mahlers. Vor der Konzertpause standen die poetischen "Four Sea Interludes" von Benjamin Britten - vier "ausgekoppelte" Zwischenspiele aus seiner ersten Oper "Peter Grimes" op. 33a - auf dem Programm. Mit imposanter Differenziertheit gestaltete die Philharmonie die verschiedenen Seelenlagen des tragischen Helden dieser Oper, getragen durch die landschaftlichen Bilder und damit das Konzertpublikum fesselnd.

Der Höhepunkt des Konzertabends war zweifelsohne Gustav Mahlers großartige, berührende 2. Sinfonie c-Moll, die "Auferstehungs-Sinfonie" für großes Orchester, Chor, Sopran- und Altsolo. Mahler wagte hier, wovor viele Komponisten wegen Beethovens übermächtiger "Neunter" zurückschreckten: Den Einsatz der menschlichen Stimme.

An diesem Abend erklangen lediglich die beiden Gesangssätze der Sinfonie. Schlicht und innig begann die Altistin Lucia Cervoni mit dunklem Timbre den vierten (kurzen) Satz "Urlicht", einer Textvorlage aus der Sammlung "Des Knaben Wunderhorn". Cervoni wurde als indisponiert angekündigt, wovon nur wenig zu hören war, am zweiten Konzertabend musste Undine Dreißig allerdings doch einspringen. Die Solistin wurde durch faszinierende Mahlersche Klangfarben im Ausdruck unterstützt: ein volkstümlicher schön getragener Bläserchoral und Klarinette, Glockenspiel, Harfe sowie Solovioline prägten faszinierend die Engelvisionen.

"Wild herausfahrend" steht in der Partitur

"Wild herausfahrend" (so Mahlers Partituranweisung) schloss sich sofort das grandiose Finale an. Der Effekt des kleineren Fernorchesters, das sonst hinter der Bühne positioniert wird, wurde hier digital mit einer Einspielung gelöst, aber perfekt. Sehr beeindruckend, wie der gemischte Chor, bestehend aus Opernchor, Exaudi-Chor und der Singakademie, schließlich äußerst gefühlvoll die Klopstock-Hymne anstimmte, die Sopranistin Hale Soner, hell und froh, sich mit ihrer Alt-Kollegin einfühlend und doch präsent über die Chorstimmen und das Orchester legte, überhaupt, was da polyphon passierte, war genial: Englischhorn, Oboe, Flöte und Klarinette musizierten in einer kongenialen Klangsymbiose, Harfen in ungewöhnlich tiefen Lagen klangen wie Zupfbässe, ein gut abgestimmtes Orchester in Blech und Streichern sowie 6 Pauken und weiteres Schlagwerk initiierten eine grandiose Erlösung.

Generalmusikdirektor Kimbo Ishii-Eto und den Philharmonikern gelang eine absolut musikantische Aufführung in voller dynamischer Bandbreite und klug herausgearbeiteten Höhepunkten. Bravo.