Eigentlich wollte Karen Stone im ersten Jahr ihrer Generalintendanz am Theater Magdeburg nicht selbst inszenieren. Doch dann entschied sie sich anders, führt zum Ende der Spielzeit doch Regie. "Der Untergang des Hauses Usher" ist ihr Regiedebüt in Magdeburg. Stone schwärmt: "Dieses Stück liebe ich sehr."

Von Grit Warnat

Magdeburg. Karen Stone muss nicht betonen, dass sie den "Untergang des Hauses Usher" und dessen Autor Edgar Allan Poe liebt. Wenn man mit Stone über Poe spricht, spürt man, dass sie ein großer Fan seiner Literatur ist. "Ich habe ihn schon immer geliebt. Seine Geschichten sind wunderbar", sagt die Intendantin. Sie sprüht vor Begeisterung, als sie zig Titel aufzählt, die sie alle gelesen hat. "Mit wirklich großer Leidenschaft", fügt sie hinzu. Gothic Horror sei ein Genre, das ihren Landsleuten sehr nahe liege, erzählt die gebürtige Engländerin. Man liebe diese wunderbare gruselige Atmosphäre, in der so vieles geahnt, gefühlt, gespürt werde. "Dann noch Musik. Das ist die perfekte Begleitung", sagt die Intendantin.

Sie wollte unbedingt wieder inszenieren, sonst fehle ihr etwas. "Ich habe mich gut eingelebt und jetzt zum Ende der Spielzeit neben allen anderen Verpflichtungen die Zeit für diese Regiearbeit gefunden", sagt Stone. Dass sie dafür vom Opernhaus ins einige Kilometer entfernte Schauspielhaus muss, sei zwar ungewohnt, aber auch wichtig, sagt sie. "Es ist für mich eine gute Möglichkeit, die Kollegen unseres jungen Ensembles kennenzulernen, mich dort zu integrieren."

Ganz bewusst habe sich Stone nicht für eine zeitaufwändige Operninszenierung entschieden – die kündigt sie aber für die nächste Spielzeit an –, sondern für ein kleines Stück auf der kleinen Studiobühne des Schauspielhauses. "Der Untergang des Hauses Usher" ist eine Kammeroper von Philip Glass, nur 75 Minuten lang, mit minimalistischer Musik. Sie nimmt den Zuschauer mit in eine gruselige Welt, auf den düsteren Stammsitz der Familie Usher. Unheimliche Dinge geschehen dort.

Stone hat in vielen Ländern und Häusern Regie geführt. Verspürt sie noch eine Aufregung vor einer Premiere am 15. Mai, die in diesem Fall ihr Debüt in Magdeburg ist? "Oh ja. Natürlich. Aber ich bin immer aufgeregt."

Ihre Inspiration holt sich die Intendantin bei ihren Spaziergängen, die sie häufig mit ihren zwei Hunden an der Elbe entlangführen. "Es ist eine Art von Meditation. Man filtert den Tag und macht sich frei für das Schöpferische, für das Kreative." Sie brauche das auch für dieses Stück, für diese Gratwanderung zwischen Grusel und Humor.

"Der Untergang des Hauses Usher" ist nach Nymans "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" die zweite Kammeroper am Schauspielhaus. Stone: "Wir wollen Opernpublikum ins Schauspielhaus locken und Schauspiel-Freunde fürs Opernhaus interessieren. Bei der ersten Kammeroper ist uns das geglückt. Ich hoffe sehr, dass wir das jetzt wieder schaffen."