Es ist Männern ein Mysterium, was Frauen in ihren Handtäschchen mit sich herumschleppen. Ein blutverschmiertes Messer und ein abgeschnittener Penis dürften allerdings die Ausnahme sein. Im Stück "Mona & Lisa oder Rache ist weiblich", das am vergangenen Wochenende seine Uraufführung im Theater der Altmark feierte, spielen beide Gegenstände eine Rolle.

Von Claudia Klupsch

Stendal. Gründe, angesichts furchtbarer Schrecknisse zu erschauern, gibt es bei "Mona & Lisa" jedoch nicht. Im Gegenteil: Zu erleben ist ein netter Theaterabend – kurz und kurzweilig.

Das Stück ist das Erstlingswerk des Bremer Autoren Hermes Schmid aus dem Jahre 2002. Regisseur Dirk Böhling nutzt die gute Textvorlage für eine gefällige Inszenierung. Das Publikum ist vom ersten Ton an mitgenommen in einen facettenreichen Dialog zweier bemerkenswerter Damen.

So könnte ein schlechter Männerwitz beginnen: Treffen sich zwei Frauen im Wartezimmer ihrer Frauenärztin ... Genau hier treffen Mona und Lisa im Stück aufeinander. Ausstatter Christof von Büren hat diesen typischen Raum nachgestellt – steril, mit künstlich hergestellter Gemütlichkeit (Topfpflanze), OP-grünen Türen. Lediglich zwei zentral angebrachte große Porträtfotografien zweier Frauen mit vertauschter Mund- und Nasenpartie fallen aus dem Rahmen.

Scheinbar kennen sich beide Frauen nicht. Doch es ist alles anders, verwoben, verschroben, verstrickt, undurchdringlich, überraschend, skurril. Männer sind im Wartezimmer einer Frauenärztin naturgemäß abwesend, aber immerhin Gegenstand des Dialogs. Einer musste gar dran glauben, denn Mona gesteht den Gattenmord. Details: "Ich hatte gestern extra im Anatomielexikon nachgelesen, wo ich zustechen muss, damit er gleich tot ist ... Naja und in der begreiflichen Aufregung habe ich dann natürlich doch eine Rippe getroffen und ich musste noch dreimal zustechen, bis er endlich tot war." Die hysterische Lisa wähnt sich "eingesperrt mit einer psychopathischen Mörderin", um Augenblicke später selbst in Tötungsabsicht auf ihre Kontrahentin loszugehen.

Claudia Lüftenegger (Mona) und Alexa Wilzek (Lisa) geben ein gleichwertig stark spielendes Duo auf der Bühne ab. Sie zicken sich an, traktieren einander, gehen laut aufeinander los, um sich dann leise zu verschwestern. Die Schauspielerinnen vollziehen blitzschnelle Machtwechsel, verwandeln sich von der Furie zum Opfer, von der Zicke zur Verletzten.

Immer neue unglaubliche Wendungen tischen sie dem Publikum auf. Groteske reiht sich an Groteske. (Auch die Frauenärztin soll abgemurkst nebenan liegen.) Psychospiele werden ausgereizt bis zum letzten. Doch keiner im Publikum kann wirklich annehmen, dass Morde geschahen und besagtes Mannes-"Teil" tatsächlich im Täschchen ist. Keiner nimmt den beiden ab, dass sie einander killen wollen. Alles so herrlich absurd. Aber die Vorstellung, es könnte so sein, ergötzt. Wer hat sich nicht schon in der Phantasie (und bitte nur hier) Gewalt gegen das Böse des Alltags ausgemalt, um Aggressionen abzubauen?

Der Clou kommt am Ende des Stückes, als klar wird, wo sich die beiden Frauen real befinden. Auch die Fotografien kommen wieder ins "rechte Lot". Alles war nur ein Spiel zweier durchgeknallter Königinnen der Lügen "in schwieriger Lebensphase", die dem Publikum noch ein verrücktes Lachen mit nach Hause geben.

Tiefsinnigen Humor liefert "Mona & Lisa oder Rache ist weiblich" nicht. Es ist eine nette Komödie. Leichte Kost. Frauen sind und bleiben geheimnisvoll wie das Lächeln der Mona Lisa. Da können Männer noch so viele lustige Stücke fabrizieren und sich ohne Aussicht auf Antwort fragen: Wie tickt die Frau, welche Verästelungen in ihren Denkmechanismen lässt sie so und nicht anders handeln? Sie bleibt ein Mysterium, genau wie die Inhalte ihres Handtäschchens.

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