Das Leben hat allerlei Widrigkeiten um die Ecke geparkt – manche sind mehr, andere sind weniger widrig und wiederum andere sind deshalb besonders widrig, weil sie zu allem Überfluss auch noch überflüssig sind.

Zu diesen gehören die meisten Widrigkeiten, mit denen uns Brüssel behelligt, Brüssel und seine Bürokraten, die von der EU. Also, die Geschichte mit den Gurken ist ja zum Glück für alle Gurkenbauern, vor allem die im Spreewald, ausgeräumt : Der Krümmungsgrad der grünen Frucht spielt künftig keine Rolle mehr bei der Genehmigung zur Vermarktung – da hat Brüssel seinen eigenen Blödsinn unlängst korrigiert. Die Gurken können aufatmen.

Dafür müssen nun aber die deutschen Bäcker den Atem anhalten, denn Brüssel hat sich um das Brot gekümmert und dabei festgestellt, dass es zuviel Salz enthält, also ungesund ist. Deutsches Brot ! Ungesund ! Was für ein Quatsch – diese Brüsseler müssen zuviel Salz in der flämischen Kartoffelsuppe gehabt haben. Das ist ihnen offensichtlich aufs Gemüt geschlagen. Was zu viel ist, ist zu viel !

Den Deutschen, in Tradition und Mentalität davon überzeugt, stets die Besten zu sein, wird derzeit ganz schön was zugemutet : Zuerst im internationalen PISA-Vergleich hinten dran, dann einer Umfrage unter europäischen Hoteliers zufolge im Urlaub am zweitschlechtesten gekleidet – nur die Engländer laufen noch schlampiger an Europas Küsten herum – dann verlieren sie ihren Platz als Exportweltmeister an die Chinesen, und jetzt auch das noch. Zuviel Salz im deutschen Brot – es kommt aber auch knüppeldick !

Die Eurokraten in Belgiens Hauptstadt haben ja schon manche Merkwürdigkeit ersonnen, aber diese geht nun in der Tat am Leben vorbei. " Gesund " dürfe sich Brot nur nennen, wenn es einen Salzgehalt von 1, 3 Prozent hat – und nicht mehr. Deutsche Bäcker würden ihre Backwaren nun aber mit 1, 8 bis 2, 2 Prozent Salz versetzen. Versalzen sie also ihr Brot ? Ach, ihr lieben Brüsseler ! Wer sich auch nur ein wenig in der Welt auskennt und dazu verdonnert war, Tag für Tag weißes Brot ohne Salz, aber mit Anis gewürzt zu verzehren, oder Brot mit Maismehl gebacken, pappig aussehend und auch so schmeckend – der weiß : Nirgendwo auf der Welt gibt es so gutes Brot in solch einer Vielfalt, wie in deutschen Bäckerläden und im Übrigen auch nirgendwo so gute Wurst dazu wie zu Hause – Salz hin, Salz her. Basta.

Die Brüsseler Berufseuropäer haben schon ein eigenartiges Talent, sich unbeliebt zu machen mit Dingen, die sie eigentlich nichts angehen ; sie wären viel geschätzter, wenn sie Europa die regionale Vielfalt beließen und ihren Vereinheitlichungsdrang zügelten.

Die Sache mit dem Brot jedenfalls erinnert irgendwie an die mit dem Bigos kurz vor der Aufnahme Polens in die EU. Bigos – dieses herrliche polnische Kohlgericht, leicht säuerlich, mit viel Schweinefleisch gekocht und Kartoffeln, schmeckt erst so richtig gut, wenn er einmal aufgewärmt ist. Und Aufwärmen, befanden damals die EU-Bürokraten, gehe nun gar nicht. Aufgewärmtes ist verboten in Europa.

Die Polen sagen, wenn irgendetwas so richtig durcheinandergeht und niemand weiß, warum : " Welch ein Bigos !" Und sie haben Europa lieb, mehr aber noch ihren Kohleintopf und der wird aufgewärmt wie eh und je und den Eurokraten wird eine lange Nase gedreht.

Wetten, dass die deutschen Bäcker das mit ihrem Brot und den Brüsselern genauso halten ? Welch ein Bigos !