Die Arte-Dokumentation " Mit Hightech in den Tod " befasst sich mit dem teuersten und zugleich fatalsten Rüstungsprojekt der Bundeswehr. Sie ist heute Abend um 20. 15 Uhr auf Arte zu sehen.

Straßburg ( ddp ). In den ausgehenden 1950 er Jahren beschloss die Regierung der jungen Bundesrepublik Deutschland, zum Schutz vor dem Ostblock über 900 Starfighter zu bestellen. Damit begann eine der größten Tragödien der Bundeswehr. Von den Aufklärern und Bombern des Typs F-104 stürzten knapp ein Drittel ohne Fremdeinwirkung ab. 116 Piloten kamen dabei ums Leben. In der Dokumentation " Starfighter – Mit Hightech in den Tod " erzählt Regisseur Kai Christiansen die Geschichte dieses schicksalhaften Kampfjets.

Als Symbol eines neuen militärischen Selbstbewusstseins wurde die Maschine vom damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß voller Stolz der Öffentlichkeit präsentiert. Doch im Verlauf ihrer Dienstzeit blieb davon nicht viel übrig. Sarkastisch wurde der Starfighter später von der Bevölkerung als " Witwenmacher " verspottet. Tatsächlich klagten mehr als 30 Witwen Ende der 1960 er Jahre gegen den amerikanischen Hersteller, den Rüstungskonzern Lockheed, was ihnen schlussendlich eine bescheidene Entschädigung von jeweils 40 000 D-Mark einbrachte.

In seiner Dokumentation setzt Christiansen allerdings weniger auf spektakuläre Bilder und wütende Anschuldigungen, als vielmehr auf Menschen, persönliche Eindrücke und Emotionen. Stellvertretend für alle verstorbenen Bundeswehrpiloten wird in diesem Zusammenhang das Schicksal von Manfred Hippel beleuchtet. Der Film schildert seinen Enthusiasmus für die Fliegerei, seine aufkeimenden Sorgen um die Tauglichkeit der Maschine und seinen fehlenden Mut, rechtzeitig aus dem Starfighter-Programm auszusteigen.

Das hätte ihm schließlich seine Fliegerzulagen gekostet. Für einen jungen Familienvater undenkbar. So musste er seine Leidenschaft bei einem Manöver über den Niederlanden am 13. Juni 1966 mit dem Leben bezahlen. Im Film wird Hippels Starfighter-Karriere von seiner Schwester, seiner Witwe und einigen seiner Kameraden rekonstruiert. Sein persönliches Schicksal sowie die bis heute andauernde Trauer der Hinterbliebenen decken die menschlichen Aspekte der Affäre ab.

Daneben geht es der Dokumentation auch um die politischen Dimensionen des acht Milliarden D-Mark schweren Projekts. Von Bestechung und Korruption ist die Rede. Doch stichhaltige Beweise für unlautere Methoden kann der Film nicht liefern. Allein die Indizien sprechen dafür. Mit menschlichem Versagen wurden die meisten Abstürze in den Anfangsjahren lapidar abgetan.

Heute lässt sich rückblickend belegen, dass es sich beim Starfighter schlichtweg um einen wenig erprobten Prototypen handelte. " Wir haben die Katze im Sack gekauft ", sagt ein ehemaliger Pilot im Film. Über 1400 Modifikationen mussten an Ausstattung und Technik vorgenommen werden, bis der Starfighter einigermaßen absturzsicher war. Vor allem das Triebwerk war immens anfällig und vermutlich für einen Großteil der Tragödien verantwortlich.

Ungebrochen ist unterdessen die Faszination der überlebenden Starfighter-Piloten für die Maschine. Vor der Kamera schwärmen sie noch heute vom erstklassigen Design, von berauschenden Geschwindigkeiten und herausragender Technik. Doch dieses prächtige Fluggefühl wurde vielen ihrer Kameraden zum Verhängnis : Von 970 Maschinen, die Deutschland bauen ließ, stürzten in mehr als 30 Jahren rund ein Drittel vom Himmel. Erst am 22. Mai 1991 wurde das teuerste und tragischste Kapitel der Bundeswehr-Geschichte mit einem symbolischen Abschlussflug endgültig geschlossen.