Berlin / Kassel ( dpa ). Werner Schroeter wollte sich bis zum Schluss seiner Krankheit nicht beugen. " Auch wenn man krank ist, kann man arbeiten, wenn man diese Arbeit als das nimmt, was sie ist : nämlich Freude am Dasein ", sagte der renommierte Theater- und Filmregisseur noch vor wenigen Wochen. Am Montagabend erlag er in einer Klinik in Kassel den Folgen seiner Krebserkrankung, wie seine Agentin Monika Keppler der Nachrichtenagentur dpa sagte. Erst am vergangenen Mittwoch hatte er seinen 65. Geburtstag gefeiert.

Schroeter gehörte wie Rainer Werner Fassbinder, Volker Schlöndorff, Werner Herzog oder Wim Wenders unbestritten zu den großen Regisseuren des Neuen Deutschen Films. Dennoch werden seine Werke nur selten im Kino gezeigt. Mit ihrer hochstilisierten Kunstsprache, der kompromisslosen Ästhetik und dem Hang zum Melodram entziehen sie sich dem schnellen Zugriff.

Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehören das Gastarbeiterdrama " Palermo oder Wolfsburg " ( Goldener Bär 1980 ), die Ingeborg-Bachmann Verfilmung " Malina " mit Isabelle Huppert ( 1991 ), das Filmessay " Marianne Hoppe – Die Königin " ( 2000 ) und der bei uns nicht gezeigte Film " Deux " über zwei bei der Geburt getrennte Zwillingsschwestern.

Seit etwa drei Jahren litt der Filmemacher an Krebs. Deutlich von der Krankheit gezeichnet, erhielt er noch bei der Berlinale im vergangenen Februar den schwul-lesbischen Teddy Award – eine der vielen Auszeichnungen für sein Lebenswerk. Viel zu schmal, den für ihn obligatorischen schwarzen Hut über einem eingefallenen Gesicht, nahm Schroeter den Preis sichtlich gerührt aus der Hand seiner ersten großen Liebe Rosa von Praunheim entgegen. Für manchen Zuschauer war es bereits ein Abschied.