München (dpa). Der Dirigent und Komponist Michael Gielen sieht als Träger des diesjährigen internationalen Ernst-von-Siemens-Musikpreises sein Werk noch einmal neu in die Öffentlichkeit gerückt. "Ich bin sehr froh, dass dadurch eine Aufmerksamkeit auf mein früheres Komponieren gelegt wird und einige Aufführungen dadurch zustande kommen", sagte Gielen am Montag. Der 82-Jährige wird den mit 200000 Euro dotierten Preis am 5. Mai im Münchner Cuvilliés-Theater entgegennehmen. Die Auszeichnung zählt zu den höchstdotierten der Welt. "Aber das Prestige dieses Preises in Deutschland – das ist mir das Wichtige."

Bei einem musikalischen Festakt sollen zwei Sätze von Gielens Streichquartett "Un Vieux Souvenir" aus dem Jahr 1983 gespielt werden. "Das Streichquartett ist seit zehn Jahren nicht mehr gespielt worden", sagte Gielen, der insgesamt rund 20 Werke komponiert hat. Eines der Hauptwerke des Dirigenten und Komponisten, der sich stets für die moderne und die zeitgenössische Avantgarde eingesetzt hat, ist das Stück "Ein Tag tritt hervor" mit Worten von Pablo Neruda aus den 1960er Jahren.

Michael Gielen wurde 1927 in Dresden geboren und emigrierte 1940 mit seiner Familie nach Argentinien. 1950 ging er an die Wiener Staatsoper. 1960 wurde er Musikdirektor der Königlichen Oper in Stockholm, 1969 Leiter des Belgischen Nationalorchesters und ab 1972 Chefdirigent der Niederländischen Oper in Amsterdam. Ab 1977 war Gielen für zehn Jahre Direktor der Oper Frankfurt. Von 1980 an leitete er das Cincinnati Symphony Orchestra, danach das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg.