Noch einmal war am Sonntagnachmittag der Gartensaal im Magdeburger Gesellschaftshaus gut besucht. Die erstmals über zwei Wochenenden reichenden 20. Magdeburger Telemann-Festtage konnten mit rund 8000 Besuchern einen Rekord verzeichnen.

Magdeburg. Das Abschlusskonzert wartete noch einmal mit einem ganz besonderen Programm auf. Zu den relativ wenigen Instrumentalkompositionen für größere Besetzung gehört eine Sammlung von sechs Ouvertürensuiten, die Telemann 1736 herausgegeben hat. Die Sammlung galt als verschollen, wurde jedoch in Moskau wieder gefunden. Erstmals in Deutschland, das heißt, überhaupt außerhalb von Russland wurden drei der Suiten jetzt von dem Moskauer Barockensemble " Pratum Integrum " gespielt. Die erste Ouvertürensuite in A-Dur erklang mit einer großen Streichergruppe und Basso continuo, und bereits in dieser " einfachen " Besetzung wurde sofort klar, dass es sich um ausgesprochen meisterliche Werke handelt. Sie wurden aber auch meisterlich interpretiert. Die Moskauer Musiker, geleitet vom Konzertmeister Sergey Filchenko, spielten sehr lebendig und temperamentvoll.

Ein festlich-fröhlicher

Ausklang

Dabei gelang es bei aller kräftigen Akzentuierung, frischen Tempi und spielerischem Feuer doch auch, die subtilen Nuancen, lyrisch-sangliche Momente und feines Pianissimo so hörbar zu machen, dass die Raffinessen des Werkes hervortraten. Dazu gehören beispielsweise feine Verhaltungen, besondere Wendungen im Bass, harmonische Modulationen …

Die beiden anderen Suiten sind neben Streichern und Holzbläsern mit zwei Hörnern besetzt, und dadurch von besonders prächtigem, feierlichem Klang. Bezaubernd, wie die Bläser Francesco Meucci und Dileno Baldin die teilweise ausgesprochen virtuosen Partien meisterten und wie harmonisch ausgewogen und farbenprächtig alle Musiker zusammenspielten.

Dabei ist die Continuo-Gruppe besonders hervorzuheben, die technisch perfekt und sehr schön variabel im Klang spielte. Dies wurde auch bei den zwei Concerti deutlich, mit welchen die Ouvertürensuiten ergänzt wurden, das G-Dur-Concerto für zwei Traversflöten und Fagott sowie das e-Moll-Concerto für zwei Traversflöten und Violine. Die Continuo-Begleitung passte sich in Dynamik und klanglicher Dichte immer genau dem Wechselspiel von Soli und Tutti an und verstärkte den Gesamtklang in idealer Weise.

Die Flötensolistinnen Ekatarina Dryazzhina und Olga Ivusheykova, der Fagottist Michail Shilenkov sowie Sergey Filichenko als Sologeiger überzeugten sowohl durch souveräne Technik als auch historisch genaue und sehr musikalisch empfundene Stilistik.

Das Schönste aber an dem gesamten Abschlusskonzert war, dass man sofort nachempfinden konnte, dass es tatsächlich Tanzsätze sind, aus denen die Ouvertürensuiten bestehen. Tänzerisch bewegt ergriff der Schwung dieser wunderbaren Musik das Publikum, und damit klangen die Festtage nicht nur festlich, sondern auch sehr fröhlich aus.