Potsdam (dpa) l Ausgesprochen ruhig geht es zu auf dem Alten Markt in der historischen Mitte Potsdams, immer wieder passieren am vergangenen Sonntag kleinere Besuchergruppen die Drehtür des Museums Barberini. Kein Vergleich zu der mehr als 100 Meter langen Schlange, die sich vor knapp fünf Monaten zur Eröffnungsschau des Hauses mit französischen Impressionisten und Klassikern der Moderne gebildet hatte. Das private Museum wurde von dem Softwaremilliardär und Kunstmäzen Hasso Plattner gestiftet.

„Wir haben noch Karten für alle Zeitfenster“, sagt Mitarbeiterin Yvonne Benesch an der Kasse. Eine Stunde nach Öffnung der Ausstellung „Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne“ sind erst rund 1200 der möglichen 2700 Karten für den Eröffnungstag verkauft. Am Sonntag waren die Säle schon deutlich voller. Genaue Zahlen zum Wochenende will das Museum erst am Montag nennen.

Keine großformatigen Werke

Umso entspannter ist die Atmosphäre in den großen Sälen. Die Besucher können die 58 Werke nordamerikanischer Künstler vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre in Ruhe genießen. „Ich habe hier weder Rothko noch Pollock gefunden“, meint ein 69-jähriger Berliner enttäuscht. „Es sind nur wenige Werke und für mich nicht so interessant.“

Doch Besucherführerin Dorothee Entrup klärt das auf. Es gebe zwei kleinere Arbeiten von Mark Rothko und Jackson Pollock in der zweiten Etage des Museums. „Die Phillips Collection hat vier Werke von Rothko, aber die drei großformatigen Bilder dürfen aus konservatorischen Gründen nicht mehr reisen“, sagt sie.

Die Phillips Collection in Washington ist die Leihgeberin der Ausstellung. Sie hat die Werke erstmals nach Deutschland geschickt, die Klassiker der amerikanischen Moderne sind nur selten in Europa zu sehen.

Chronologische Entwicklung

Bernd Frank aus Lindau am Bodensee, zur Zeit auf Berlin-Besuch, ist entsprechend begeistert. „Die Schau ist toll gemacht, weil man hier sehr schön die Entwicklung sieht, die die nordamerikanische Kunst im 20. Jahrhundert genommen hat“, sagt er. „Mir geht es nicht so sehr um einzelne, spektakuläre Kunstwerke.“ Die Meinungen der kunstinteressierten Besucher sind durch die Bank geteilt.

Für Entrup hat die chronologische Gliederung ihren besonderen Reiz. So könnten die Besucher in den acht Themenräumen die Entwicklung vom Impressionismus über die Neue Sachlichkeit bis zur Farbfeldmalerei anschaulich verfolgen. „Im zerstörten Europa gab es diesen Bruch durch den Zweiten Weltkrieg, da musste die Kunst anschließend noch mal neu beginnen und hat zunächst etwa auf den Kubismus zurückgegriffen“, erklärt sie. „In den Vereinigten Staaten ist die Entwicklung kontinuierlicher verlaufen.“

Für die Potsdamerin Eva Willmanowski ist die zweite Ausstellung ein besonderes Erlebnis. „Bei der Eröffnung mussten wir uns ganz hinten anstellen und sind nicht mehr reingekommen – da haben wir irgendwann die Lust verloren“, erzählt die ältere Dame im pastellblauen Kostüm. „Jetzt können wir endlich unsere Chance nutzen und diesen herrlichen Palast kennenlernen!“