Berlin - Seit Arcade Fire mit ihrem vierten Album Richtung Dancefloor unterwegs sind, ist in der Schublade "Hymnischer Indierock" wieder etwas Platz. Darin machen es sich jetzt die kanadischen Landsleute der Band Siskiyou bequem.

Nicht nur trifft deren Sänger Colin Huebert den bisweilen ans Hysterische grenzenden Tonfall seines Arcade-Fire-Kollegen Win Butler ziemlich exakt. Auch der ins Bombastisch-Majestätische aufgepumpte Sound des dritten Siskiyou-Albums "Nervous" (Constellation/Cargo) erinnert an die derzeit angesagteste Band unter der Ahornblatt-Flagge. Und zuguterletzt ist hier ebenfalls der tolle Arrangeur Owen Pallet für die Streicher verantwortlich (besonders eindrucksvoll im meisterlichen, fast siebenminütigen "Babylonian Proclivities").

Man kann Siskiyou nun wegen Songs wie "Deserter" oder "Wasted Genius" als reine Epigonen abtun. Oder aber diese wuchtigen Klanggemälde als sehr gekonnte Hommage an Arcade Fire genießen, die sich zuletzt ohnehin neu orientiert - und, man muss es so sagen, manche Fans der ersten Stunde damit enttäuscht - hatten.

Das von einem mächtigen Basslauf angetriebene, mit verwehten Trompetentönen aufgeladene "Violent Motion Pictures" etwa dürfte jeden, der Butler & Co. vor zehn Jahren mit "Funeral" oder danach mit "Neon Bible" für sich entdeckte, sehr glücklich machen. Mit "Jesus In The 70s" beweisen Siskiyou, dass sie auch bei Nick Cave oder Tindersticks gut zugehört haben, und "Oval Window" hat einen Glam-Pop-Touch à la T. Rex. Fazit: Der handwerklichen Qualität und dem Reiz dieser ambitionierten Art-Rock-Inszenierung tun die Abstriche in punkto Originalität keinen Abbruch.

Im Rahmen ihrer Europa-Tournee werden Siskiyou am 21. Mai auch ein Konzert in Hamburg geben.