Berlin - Vor 20 Jahren wetteiferte seine Band Supergrass mit Blur, Oasis oder Pulp um den Britpop-Thron und hatte dabei vor allem die schärfsten Koteletten und Bärte zu bieten.

Inzwischen ist Gaz Coombes 38, schon länger solo unterwegs und spürbar gereift. Sein zweites Album "Matador" (Hot Fruit Recordings/Caroline) hat mit dem Rabauken-Sound von damals nicht mehr viel zu tun.

Zwar liebt der Mann aus Oxford immer noch die Pose (siehe Albumcover). Aber musikalisch ist Gareth "Gaz" Coombes sehr ernsthaft um Anschluss an große Pop-Künstler wie Thom Yorke (Radiohead), Beck oder David Bowie bemüht. Dabei spart der Brite nach den frühen Jahren mit Geradeaus-Gitarren-Punkpop diesmal auch Elektronik-Elemente und komplizierte Beats nicht aus, etwa in "The English Ruse" oder "To The Wire". Und er erweist sich mit "The Girl Who Fell To Earth" - seiner Hommage an Bowies "The Man Who Fell To Earth" - als begnadeter Balladensänger.

Die mit Produzent Ian Davenport umgesetzten Arrangements werden überwiegend nur von Gitarre, Piano, Schlagzeug und alten Synthesizern zusammengehalten, klingen aber ausgesprochen opulent. "Ich wollte einen wirklich epischen Sound mit großer Wirkung", sagt Coombes. Textlich strebt er nach Authentizität und Ehrlichkeit - so geht es um die Drogenvergangenheit seiner ehemaligen Band, etwa in dem modernen Gospel "Detroit" mit der Zeile "The poison, the powder and the lies...". "Seven Walls" indes ist eine streichersatte Liebeserklärung an Coombes\' Frau, an "die Magie zärtlicher Momente".

Mit "Matador" knüpft ein hoch talentierter Songwriter nach längerer Talsohle wieder an seine besten Zeiten vor gut 15 Jahren an. Damals gelang auch Supergrass doch noch ein Meisterwerk - mit dem selbstbetitelten Album Nummer 3, bis heute ein Britpop-Juwel.

Deutschland-Konzerte im Februar: 13.2. Hamburg, 14.2. Berlin