Magdeburg l Eine gewaltige halbkreisförmige Kulisse aus Holz erstreckt sich vor dem Dom. Elf Meter hoch sind die zwei Etagen, die vor dem Dom in den Himmel wachsen. Ein alter Wohnwagen steht mitten im Kiesbett, links liegt eine Schaufel, auf der anderen Seite leere Coca-Cola-Kästen, eine Hebebühne für Baustoffe, ein Absperrgitter. Oben in der ersten Etage alte Schreibtische, große Schreibmaschinen, mittig hinter der Verglasung ein Büro mit Aktenordnern und Bauplänen an der Wand.

Was aussieht wie eine Baustelle – ist eine Baustelle. Sie ist das Bühnenbild für „Hair“, das diesjährige Domplatz-Open-Air des Theaters Magdeburg, für das seit fünf Wochen intensiv geprobt wird und das am 17. Juni seine Premiere feiern wird. Von den 21 .000 Karten sind bereits 88 Prozent verkauft.

Erdacht hat sich diese Baustelle das Team um den gebürtigen Magdeburger Regisseur Erik Petersen, der das Stück in New York ansiedelt, wo an der Spitze von Manhattan Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre das World Trade Center in die Höhe wuchs. „Am Anfang des Musicals werden die Hippies die Baustelle besetzen. Sie suchen sich dort ihr neues Zuhause“, sagte Petersen bei der gestrigen Pressekonferenz, zu der den Medienvertretern erstmals der Blick auf das Bühnenbild erlaubt wurde.

Erschaffen hat es Jens Kilian. Er gilt als einer der wichtigen Künstler der Branche, hat am neuen Stage Theater in Hamburg für „Das Wunder von Bern“ die Kulisse entworfen und wurde dafür im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Musical Theater Preis geehrt. Auch in Magdeburg hat er seine Handschrift bereits hinterlassen, zeichnete verantwortlich für die Bühne von „Les Misérables“, die 2013 ähnlich halbkreisförmig gebaut war, mit Etagen und Geländern.

Grau wirkte alles gestern im Sonnenlicht. Baustelle eben. In der Inszenierung soll sich das ändern. Licht und jede Menge Farbe hat Kilian für die abendlichen Vorstellungen angekündigt. Es fahren bemalte Autos, es fliegt eine Apollo-Kapsel. Und es gibt jede Menge Kostüme à la Flower-Power.

„Das ist ein Stück der Lebensfreude und der Toleranz und beides brauchen wir heute“, sagte Generalintendatin Karen Stone und blickt Richtung Landtag.

Das Theater hatte den Mut, musikalisch eine größere Version schreiben zu lassen. Damian Omansen, der musikalische Leiter der Produktion, hat das übernommen: „Das ist ein riesiger Glücksfall. Sonst wird die Instrumentierung immer verkleinert. Aber wir hier wollen die bestmögliche Version des Musicals.“ Die gibt es in Magdeburg mit Rockband und der Philharmonie des Theaters.

27 Musiker, 14 Musicaldarsteller, zehn Balletttänzer, ein Chor, zwölf Statisten und – natürlich Peter Wittig – werden zwischen Rohbau und Schotter zu erleben sein. Sandalen gibts für die Hippies nicht. Deutscher Arbeitsschutz.

Gil Ofarim, der den Anführer Berger spielt, setzte sich in den Wohnwagen und hielt schon mal ein Schild hoch: „Love not War“.

Premiere von „Hair“ ist am 17. Juni. Gespielt wird bis zum 10. Juli jeweils um 21 Uhr auf dem Domplatz. Karten unter (0391)40490490.