Gommern l Aus beruflichen Gründen wird Matthias Rickmann die Region verlassen. Damit verliert der Gemischte Chor Gommern seinen Chorleiter. Ein Ersatz wurde bislang nicht gefunden. Deshalb stecken die Mitglieder des Gemischten Chores aber nicht die Köpfe in den Sand. Seit Wochen gibt Renate Arendt sowohl bei den Proben als auch bei Auftritten aushilfsweise den Ton an. Eine Dauerlösung ist das jedoch nicht.

Mit Marco Rickmann, einem Sänger des Gemischten Chores, gibt es einen ernsthaften Kandidaten für die Stelle des Chorleiters. Allerdings fehlt dem Bruder des bisherigen Leiters noch die Ausbildung. Trotzdem ist er vermutlich die beste Chance des Chores. Zwar führt der Chorverband Sachsen-Anhalt die Gommeraner als „suchend“, was den Chorleiter anbetrifft, aber große Hoffnungen, dass sich jemand für Gommern entscheidet, hat Hannelore Niemann nicht.

Auf die Motivation und den Spaß am Singen hat sich der Verlust des Chorleiters noch nicht ausgewirkt. „Bei Auftritten sind immer 99 Prozent da. Das ist bewundernswert.“ Das zeigt auch, dass der Chor eine „eingeschworene Gemeinschaft“ ist.

Am Probenabend in dieser Woche nahm Norbert Jankiewicz vom Sängerkreis Elbe-Havel teil, um langjährige Sängerinnen und Sänger auszuzeichnen. Seit 15 Jahren ist Thomas Bunge schon Mitglied im Gemischten Chor. Er erhielt Urkunde und Blumenstrauß von Hannelore Niemann.

Ganz überrascht, dass sie auch zu den Jubilaren gehörte, war Gudrun Stempnewski. Seit 45 Jahren singt sie im Chor. „Singen macht Spaß und hält jung.“ Bei ihr liege das außerdem in der Familie. Die Oma sang schon gerne vor sich hin, ihr Mann singe im Männerchor und ihr kleiner Enkel ganz begeistert im Waldkindergarten. „Die Gedanken sind frei“ ist ihr Lieblingslied.

„Nach dem Singen fühle ich mich freier und fröhlicher“, sagte Bernd Kuhn. Er singt seit 50 Jahren oder seit der 8. Klasse im Gemischten Chor. „Es zogen einst fünf wilde Schwäne“ ist sein Lieblingslied.

Hannelore Niemann ist ebenfalls in der 8. Klasse in den Chor gegangen. Gesungen hatte sie schon viel früher, aber der Gesang war nicht der Hauptgrund, weshalb sie sich für den Chor entschied. Die Proben fanden abends statt und wann durfte man damals als 14-Jährige schon abends raus, wenn nicht zur Chorprobe?

Mit dem Argument finden sich heute keine jungen Sänger mehr. Gern hätte der Gemischte Chor mehr junge Leute in seinen Reihen, aber im Vergleich zu anderen Chören sind die Gommeraner froh, doch noch ein paar Sänger unter 60 Jahren dabei zu haben. „Und wir über 60 können auch nicht aufhören“, setzte Gudrun Stempnewski hinzu, dann würde der Chor zu viele Mitglieder verlieren.

Den nächsten Auftritt hat der Gemischte Chor Gommern am Freitag zur Mitgliederversammlung der Wohnungsgenossenschaft „Glückauf“.

Auch die Fans des Weihnachtskonzertes müssen sich keine Gedanken machen. Das Konzert findet auf jeden Fall statt. Die Vorbereitungen haben schon begonnen. Übrigens auch für die Chorjubiläen 2018. Der Männerchor wird 120 und der Gemischte Chor 60 Jahre alt.