Genthin l In der Bundesregierung wird derzeit um die Reform der Pflegeausbildung gerungen. Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege sollen in einem Ausbildungsgang zusammengeführt werden. Während Befürworter, etwa die Minister Manuela Schwesig (SPD) und Hermann Gröhe (CDU), sich davon eine höhere Attraktivität der Ausbildung versprechen, da die Absolventen später wahlweise in der Altenpflege oder im Krankenhaus arbeiten können, betrachten Gegner die Ausbildungsplätze heute schon als attraktiv genug an, was sich in steigenden Bewerberzahlen äußere.

Zudem wird befürchtet, dass Auszubildende mit geringerer Bildung dem höheren Standard der neuen Ausbildung nicht gewachsen seien und daher als spätere Arbeitskräfte verloren gehen.

Frank Böker, Vorsitzender der Geschäftsführung der Johanniter GmbH, zählt zu den Befürwortern einer einheitlichen Ausbildung.„Komplexe Pflegesituationen erfordern eine an Schlüsselkompetenzen orientierte Ausbildung, denn wir haben heute in unseren Kliniken vermehrt multimorbide Patienten (Patienten mit vielen Erkrankungen - d. R.) und in den Seniorenhäusern Bewohner mit einem sehr hohen Pflegebedarf. Deshalb brauchen wir breit und fundiert ausgebildete Generalisten – Tendenz steigend. So können wir professionell und damit patienten- bzw. bewohnerorientiert handeln.“

Für Böker erweitert der neue Pflegeberuf die beruflichen Karrierewege. Ein Wechsel zwischen den Sektoren bzw. Arbeitsfeldern sei leichter möglich. Mit der Generalistik erfolge überdies die Anpassung an den EU-Standard. „An eine anschließende Spezialisierung ist trotzdem gedacht und von uns gewünscht“, unterstreicht der Vorsitzende der Geschäftsführung der Johanniter GmbH.

Die Johanniter bilden, so Pressesprecherin Claudia Klupsch, gegenwärtig an der Krankenpflegeschule Genthin 85 Azubis in drei Klassen aus. Ein Ausbildungsplatz ist hier nach wie vor gefragt: Im letzten halben Jahr trafen bereits 113 Bewerbungen ein.

Fachkräftemangel in der Pflege

Nicht abgeneigt zeigt sich auch Frank-Michael Ruth vom DRK-Regionalverband Magdeburg-Jerichower Land von den Plänen der Bundesregierung, die Ausbildungsberufe zusammenzufassen.

„Wir sind und waren immer für neue Konzepte offen, gerade der Pflegebereich befindet sich zur Zeit durch das Pflegestärkungsgesetz 2 und 3 in der Umstrukturierung,“ schickt Frank-Michael Ruth seinen Ausführungen voraus. In dem Pflegestärkungsgesetz 2 und 3 gebe es wesentliche Änderungen, zum Beispiel in der Pflegestufe 1 - 3 in Pflegegrade, in der Pflegebuchführungsverordnung und vieles mehr. Bezüglich der Ausbildung von Fachkräften sieht das Deutsche Rote Kreuz (DRK) die Reform der Pflegeausbildung durchaus positiv.

Ruth verweist darauf, dass das DRK schon seit Jahren Probleme habe, hinreichend Auszubildende im Bereich der Altenpflege zu finden. Der Fachkräftemangel sei ein großes Problem in der Branche.

Die Zugangsvoraussetzung zu dieser neuen Ausbildung sind unverändert, so dass es nach wie vor für Realschulabsolventen möglich ist, diesen Ausbildungsberuf zu ergreifen. „Insbesondere sehen wir diese neue Ausbildung aus fachlicher Sicht als Bereicherung, zum Beispiel die Gesundheits- und Krankenpflegerin darf intra-muskulär-Injektionen, Katheterisierung durchführen, die Altenpflegerin darf dieses bisher nicht, obwohl in der Ausbildung erlernt“, führt Ruth auf.

Die neue Ausbildungsvariante führe auch zu einem besseren Verständnis zwischen ambulanter, teilstationärer, stationäre Pflegeeinrichtung und Krankenhäusern, da die Auszubildenen zukünftig alle Bereiche durchlaufen müssen, sagt Ruth. Eine berufliche Spezialisierung erfolge dann im 3. Ausbildungsjahr.

Der DRK-Vorstand steht einer Reform in der Pflegeausbildung trotz vieler positiver Ansatzpunkte mit „gebremstem Schaum“ gegenüber: „Es bleibt abzuwarten, wie attraktiv die Arbeitsplätze im Pflegebereich sind. Das Berufsbild der Altenpflegerin zukünftig Pflegefachkraft zu nennen, wird dadurch aus unserer Sicht aufgewertet. Wir sind jedoch nicht der Meinung, dass mit der Reform der Pfegeausbildung der Fachkräftemangel beseitigt werden kann.“

Das DRK bildet im Regionalverband pro Jahrgang zehn Azubis aus, insgesamt - über drei Ausbildungsjahre - also 30 zukünftige Altenpfleger.

Zur Zeit liegen dem Regionalverband fünf Bewerbungen vor.