Halberstadt l „Eigentlich mögen Museumsleute Regen lieber, dann gehen mehr Menschen ins Museum“, sagte Simone Bliemeister zur Begrüßung. Den Weg ins Museumsfoyer hatten trotz der fast 30 Grad Celsius gestern aber dennoch einige Interessierte gefunden. Sie wollten wissen, was sich hinter halberstadt-erleben.de verbirgt. Sehr zur Freude von Simone Bliemeister. War es doch die Museumsmitarbeiterin, die die Idee für dieses Angebot entwickelte und umzusetzen half.

Dafür gebühre ihr besonderer Dank, sagte Museumsleiter Armin Schulze. Denn das Haus hatte vor einigen Jahren schon einmal versucht, Stadtgeschichte über neue Medien zu vermitteln. „Damals gab es diese Handyfunktionen noch nicht“, sagte Schulze.

Informationen an 22 Stationen

Nun also kann der Nutzer sich für einen Euro einen Zugangscode samt Informa­tionsflyer kaufen und wann immer er mag, die Internetseite www.halberstadt-erleben.de aufrufen und auf Zeitreise gehen. 24 Stunden lang gilt der Code, der zeitgleich von mehreren Smartphones genutzt werden kann. An 22 Stationen erzählen zwei berühmte Halberstädter Wissenwertes zu Dom, Domplatz, Kurien, Petershof, Liebfrauenkirche, Drachenloch, Burgtreppe, Martinikirche, Tränketor, jüdischem Viertel, Altstadt und Cage-Projekt im Burchardi­kloster. Wobei erzählen wörtlich zu nehmen ist. Die Sagen, Stadtgeschichten und Hintergründe werden vorgetragen. Wer mag, kann die Texte dazu aber auch lesen.

„Viele Menschen sind heute als Individualreisende unterwegs, suchen sich ihre Anlaufpunkte selbst und wollen auch ohne Gruppe erfahren, was das Besondere an dem jeweiligen Ort ist“, sagte Simone Bliemeister. Mit dem neuen Angebot könne sich der Besucher selbst aussuchen, wie lange er an den einzelnen Standorten lauschen möchte, ob er eine Station überspringen oder eine ganz andere Reihenfolge der angebotenen Stationen wählen will. Wer den Code aktiviert, hat 24 Stunden lang Zeit, sich den Standorten zu nähern, kann also einen Abend anfangen und am nächsten Vormittag weiter machen oder zwischendurch einen Kaffee trinken gehen.

Wobei sich das Angebot nicht nur an Gäste der Stadt richtet, sondern auch für Einwohner interessant sein dürfte. Denn wann sieht man schon einmal ein Foto der 1878 abgerissenen Domschänke, einen Kalender der Domherren oder eine Zeichnung, wie die Domburg im 9. Jahrhundert ausgesehen haben könnte.

Gesamtrundgang dauert etwa zwei Stunden

Wer den Rundgang in einem Rutsch absolviert, sollte rund zwei Stunden an Zeit einplanen. „Auf einiges weisen wir nur hin, in Halberstadt gibt es ja so vieles zu entdecken“, sagte Bliemeister. Dass das so ist, zeigte die Frage einer auswärtigen Besucherin gestern. Sie fragte, ob man dieses Angebot nicht auch auf die Spiegelsberge, den Klusfelsen oder zum Beispiel die Stadtmauer erweitern könnte.