Halberstadt/Harsleben l Einen Schatz haben Archäologen vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt zwischen Halberstadt und Harsleben ans Tageslicht befördert – eine Kreisgrabenanlage aus der Bronzezeit mit Doppelbestattung, sagen die Fachleute. Die mehrere Tausend Jahre alte Grab- und vermutlich Kultstätte ist auf einem Acker freigelegt worden. Hier soll eine Trinkwasserleitung im Zuge des Baus der Ortsumgehung Halberstadt-Harsleben umverlegt werden.

Vier Meter hoher Hügel

Als „einmalig“ bezeichnet Dr. Susanne Friederich den Fund. Die Abteilungsleiterin vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie ist begeistert, dass bei der Grabung auch eine Prozessionsstraße entdeckt wurde. Die Trasse führt zum etwa 50 Zentimeter breiten Eingang der Kreisgrabenanlage. An der gegenüberliegenden Seite verläuft sie weiter. Dies könnte ein Beleg dafür sein, dass die Anlage einst als Kultstätte diente. „Wir waren erstaunt und überrascht, dass das Grabungsteam nur etwa zehn Zentimeter unter der Oberfläche auf die gut erhaltene Kreisgrabenanlage gestoßen ist“, sagt Susanne Friederich. Obwohl die Fundfläche seit Jahrhunderten intensiv landwirtschaftlich genutzt wird, ist die runde Anlage völlig intakt geblieben. „Der Hügel, der einst drei bis vier Meter hoch war, ist natürlich abgetragen worden.“ Die Begrenzung, die aus Steinen oder Holzpalisaden bestand, zeichnet sich heute noch gut sichtbar als schwarzer Kreis im Boden ab, ebenso die Prozes­sionsstraße.

Skelette fehlen

Enttäuscht ist Susanne Friederich dennoch. Von der Bestattung sind nur wenige Skelettreste erhalten geblieben. Erst nur eine Hand voll Knochensplitter, dann finden die Archäologen, die in der Kreisgrabenanlage vorsichtig Millimeter um Millimeter Erdreich abtragen, ein Stück eines Beinknochens. Trotzdem werden die Erwartungen von Susanne Friederich von einem kompletten Skelettfund nicht erfüllt. Beweise für eine Raubgrabung liegen bislang nicht vor, sagt sie. „Es ist ein Rätsel.“

Bilder

Datierung erfolgt

Der bescheidene Fund spielt dennoch eine wichtige Rolle. Im Labor soll das Alter der Knochen ermittelt werden. Auf das Ergebnis wird man allerdings eine Weile warten müssen. Die Untersuchungen nehmen mehrere Monate in Anspruch.

Beweis für Siedlung

Fest steht, dass es im Umfeld der Kreisgrabenanlagen eine Siedlung gab. Die Archäologen des Landesamtes haben Vorratsgruben ausgegraben, in denen die Menschen vor Tausenden Jahren Getreide lagerten, berichtet Susanne Friederich. „Wir haben daraus Erdproben entnommen, die ausgewaschen werden – in der Hoffnung, dass wir Getreidekörner finden.“ Die würden ebenfalls eine genauere Datierung erlauben.

Urahnen aus Vorderasien

Bereits vor 7000 Jahren haben Menschen aus dem vorderen Orient das Vorharzgebiet besiedelt, das hätten DNA-Untersuchungen bewiesen, so die Fachfrau. Die Siedler erkannten: „Die Böden sind fruchtbar, das Wetter gut und die Landschaft toll“, so Susanne Friederich.

Enger Zeitplan

Es ist nur ein Fenster in die Vergangenheit, das zwischen Halberstadt und Harsleben geöffnet wurde – 200 Meter lang und 16 Meter breit. Vermutlich würden die Archäologen im Umfeld noch mehr finden, „vielleicht sogar weitere Kreisgrabenanlagen“, sagt Susanne Friederich. Aber auch das Grabungsteam muss sich an enge Vorgaben halten. Die Trinkwasserleitung wird nur auf dieser etwa 3200 Quadratmeter umfassenden Fläche umverlegt. „An diese Grenzen müssen wir uns halten. Und an den engen Zeitplan.“ Ab heute übernehmen die Bauleute wieder die Regie über die Grabungsfläche. Dennoch wird das nicht der letzte Fund bleiben, sind sich die Fachleute einig. Bis Jahresende graben die Archäologen im künftigen Trassenverlauf der Ortsumgehung Halberstadt-Harsleben zwischen der B 81 bei Emersleben und der B 79 am Abzweig nach Westerhausen weiter. Dort gebe es bereits mehrere Verdachtsflächen, auf denen weitere Funde zu erwarten seien.