Badersleben/Hornhausen l Die gute Nachricht gleich vorweg. Ein passender Spender wurde gefunden und der Körper der neunjährigen Anina hat die Stammzellenspende angenommen. „Allerdings liegt noch ein langer Weg vor uns, bis sich das Leben von Anina wieder normalisiert“, sagt Mutter Xenia Michael, die Tag und Nacht an der Seite ihrer Tochter weilt. Die ganze Familie sei mittlerweile erleichtert und vorsichtig optimistisch. Doch zurzeit ist Anina noch sehr schwach und muss meist liegen.

Wunsch ging in Erfüllung

Anina leidet von Geburt an einem Gendefekt. Wegen einer Störung der Eisenverwertung lagert ihr Körper zu viel Eisen ab und kann keine roten Blutkörperchen produzieren. Daher musste das Mädchen bisher alle vier Wochen zu einer Bluttransfusion. Als einzige Chance auf ein normales Leben galt die Stammzellenspende von einem genetischen Zwilling.

„Ich wünsche mir einen Knochenmarkspender“, hatte die damals Achtjährige, die in Badersleben zur Schule geht, als ihren größten Wunsch für das Jahr 2016 formuliert. Bei einer großangelegten Typisierungsaktion in der Grundschule Badersleben hatten sich im Dezember 2015 über 200 Freiwillige als potenzielle Spender registrieren lassen. Diese Aktion war durch Aninas Eltern, den Schulförderverein und die Lehrer der Grundschule „Albert Klaus“ gemeinsam initiiert worden. „Wir sind nach wie vor unendlich dankbar für das Interesse der Menschen am Schicksal unserer Tochter und die große Unterstützung“, sagt Xenia Michael und möchte daher nun auch über alle Fortschritte informieren, die Anina seither gemacht hat. „Vor allem möchten wir erklären, was Aninas Krankheit bedeutet, und warum die Genesung so langwierig ist.“

Bilder

Bangen und Hoffen

Bereits im Juli 2016 hatte die Nachricht, dass ein geeigneter Spender gefunden sei, für Freude und Anteilnahme gesorgt. Mitte August wurde Anina dann einer Chemotherapie unterzogen, mit der die körpereigene Abwehr des Mädchens zunächst „auf Null“ gefahren und damit auf die Transplantation vorbereitet wurde. Diese sei dann am 30. August erfolgt. „Ungefähr zwei Wochen hat es gedauert, bis sich die ersten neuen Blutkörperchen bildeten“, erinnert sich Xenia Michael. „Dass bereits die erste Transplantation geklappt hat, ist schon ein kleines Wunder.“

Haarausfall, Gewichtszunahme aufgrund der Medikamente und eine beinahe ständige Übelkeit seien die Begleiter gewesen. „Bis heute“, beschreibt Mutter Xenia. „Wir haben zwar von Anfang an gewusst, dass die Behandlung sehr lange dauern wird, allerdings hatten wir zwischendurch auch mit Rückschlägen zu kämpfen.“

Bereits zweimal seit der Transplantation hat sich Aninas geschwächter Körper mit einem Virus infiziert, sodass das Mädchen sofort zurück in die Klinik musste.

Betreuung rund um die Uhr

„Am 8. Dezember war unser persönlicher Tag 100“, sagt Xenia Michael hoffnungsvoll. In Medizinerkreisen hieße das, dass es von diesem Zeitpunkt an bergauf gehen soll. Weil sich Anina durch die Medikamente auch psychisch verändert hat, sei der Alltag mitunter nicht einfach, beschreibt die Mutter, die sich seit fünf Monaten ausschließlich um ihre Tochter kümmert. Ehemann Thomas ist, neben seiner Berufstätigkeit, an ihrer Seite.

„Anina braucht mich rund um die Uhr“, ist sich Xenia Michael sicher und widerspricht damit der Auffassung der Krankenkasse, das Kind könne durchaus auch allein zur Behandlung in der Klinik bleiben.

Anina möchte lernen

Anina ist immer gern zur Schule gegangen. Auch während der Behandlung habe es einen ständigen Kontakt zur Leitung ihrer Grundschule in Badersleben gegeben. Besonders die pädagogische Mitarbeiterin Sandra Prosowski habe sich immer wieder erkundigt.

Ob Anina den versäumten Stoff der dritten Grundschulklasse in diesem Jahr noch aufholen kann, ist indes nicht sicher. Zwar wurde das Mädchen auch in der Klinik unterrichtet und soll demnächst Unterricht durch einen Hauslehrer erhalten, mehr als eine halbe Stunde Konzentration sei zurzeit jedoch noch nicht möglich.

Nur kurz ins Freie

Dabei sei es Aninas größter Wunsch, schnell wieder in die Schule zu dürfen, betont Xenia Michael. „Doch das wird bestimmt noch mindestens zwei Monate dauern.“

Zurzeit sei sie schon sehr froh, wenn ihre Tochter täglich für kurze Zeit ins Freie darf. „Im Rollstuhl, weil sie noch zu schwach ist, und vermummt, um sie vor Ansteckungen zu schützen.“ Das Weihnachtsfest wird bei Familie Michael ruhig ablaufen. „Noch dürfen wir keine Gäste empfangen“, sagt Xenia Michael. Lediglich vor dem Terrassenfenster darf der Besuch mal winken.

Große Unterstützung

Große Unterstützung in der schweren Zeit hat Familie Michael durch Freunde und durch wildfremde Menschen erfahren. „Der Förderverein der Grundschule hat uns mit einer Spende unterstützt“, sagt Xenia Michael, und Freundin Katharina Morgenbrodt habe für Anina eine öffentliche Facebookgruppe eingerichtet, auf der sich Interessierte über den Verlauf der Genesung von Anina informieren können.

Bereits über 100 Nutzer haben sich angemeldet. „Wir erhalten Unterstützung und kleine Geschenke für Anina, die uns sehr viel bedeuten“, bedankt sich Xenia Michael bei den zum Teil fremden Menschen.