Oebisfelde l Es ist mit der Suche nach einer Erklärung für die weiterhin sinkende Anzahl an Kirchenmitgliedern ähnlich der Diskussion über die Folgen durch die Erderwärmung: Es zeichnet sich nachweisbar ab, der tatsächliche Grund aber ist nicht zu beweisen. Die religiösen Feiertage, die gesetzlich einen arbeitsfreien Tag garantieren, werden auch von den Menschen in Stadt und Land rings um Oebisfelde für die Freizeit außerhalb von Glauben und Kirchgang genutzt. Und doch garantieren gerade diese religiös gründenden Feiertage ein sogenanntes Sprungbrett für Brückentage oder einen frei zur Verfügung stehenden Tag. Das gilt insbesondere für die Osterzeit mit dem gestrigen Karfreitag und den beiden Osterfesttagen. Aber auch und wohl nur in diesem besonderen Lutherjahr für den 31. Oktober, einem Dienstag, dem Reformationstag. Allesamt auch Tage für eine Rückbesinnung im religiösen Sinne.

Tod und Auferstehung zentrale Glaubensthemen

Ob die Kirche als Institution durch das Festhalten an den festen Formen der Liturgie die Menschen vom Kirchgang fernhält, beantwortet der Oebisfelder Pfarrer Wolfgang Schwarzer mit einem eindeutigen Nein. Er widerspricht allein schon aus dem über 2000-jährigen Erfahrungsschatz, der aus dem neuen Testament abzuleiten ist. „Tod und Auferstehung sind schon seit jeher ein zentraler Inhalt für den christlichen Glauben“, erläutert Schwarzer. „Gerade die Ostergeschichte bietet den Menschen mit dem Tod und der Auferstehung von Jesus Christus den Glauben als Feste im Leben für die Zukunft an.“ Das gilt für ihn religions- und glaubensübergreifend.“

Religiös Nichtgläubige respektieren

Der Oebisfelder Pfarrer hat aber auch Verständnis für die Menschen in Stadt und Land, die die kurze Spanne ihrer Freizeit am Kar- freitag und zu Ostern eben nicht damit verbringen, einen Gottesdienst zu besuchen. „Man muss bedenken, dass es durchaus zahlreiche gute Gründe gibt, dass Menschen gerade zu Ostern verreisen, oder dass sie schlicht nicht in der Lage sind, sich für den Kirchgang auf den Weg zu machen. Nicht zuletzt gibt es ja auch den Personenkreis, der eben nicht im religiösen Sinne gläubig ist. Auch das muss ich als Geistlicher respektieren“, so die Erklärung von Schwarzer.

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Sicherlich ist eine große Zahl der Menschen durch unterschiedlichste Gründe dem Glauben ein Stück weit entrückt, so die Auffassung des Pfarrers. Doch nach seiner Ansicht ist die Nähe oder der Abstand zu Gott, Jesus und der Dreifaltigkeit eine freiwillige Entscheidung eines jeden Einzelnen. Was ihn dann aber bestärkt, das sind die gut 40 Kirchgänger, die am gestrigen Karfreitag in die Katharinenkirche zum Gottesdienst kamen. Und auch die doch zahlreichen Besucher der Familiengottesdienste, wie wohl auch am morgigen Ostersonntag, sowie die Arbeit mit den derzeit 26 Konfirmanden sind für Schwarzer ein Ausdruck einer beständigen positiven Rückantwort der Menschen für die Arbeit in der Kirchengemeinde.

Sonntag als Ruhetag aufgeweicht

Rückbesinnung, wie es am veranstaltungsstillen Karfreitag ermöglicht wird, hält der Geistliche für ein sinnvolles Angebot, an dem nicht gerüttelt würden sollte. Mittlerweile werden die Sonntage durch Aktionstage und Veranstaltungen verschiedenster Art in ihrem ureigensten Sinn als Ruhetag „aufgeweicht“. Das Anhäufen von Angeboten lässt kaum noch Zeit für einen „freien Kopf“, oder nichtkommerzielle Vorhaben zu. Der verkaufsoffene Sonntag hat dem heiligen Sonntag im übertragenen Sinne den Rang abgelaufen. Auch deshalb erachtet es Schwarzer für wichtig, dass die Kirche an ihren Regeln und Geboten festhält, um stets als festes Glaubensangebot bereitzustehen.