Klötze l Friede, Freude, Eierkuchen sieht anders aus. Zwischen der Stadtverwaltung von Klötze und dem Zweckverband Natur- und Kulturlandschaft Drömling herrscht Funkstille. Es knirscht im Gebälk. Grund dafür ist der schon Ende 2015 beschlossene Umzug des Hauptsitzes nach Kunrau. Das war eine politische Entscheidung damals, sagte Jürgen Barth, Vorsitzender des Zweckverbandes. Hätten sich die Mitglieder für die Außenstelle in Calvörde entschieden, die auch zur Debatte stand, würden zwei Verbände, die Naturparkverwaltung Drömling und der Zweckverband, ihren Hauptsitz im Börderkreis unterhalten. Das sollte verhindert werden, eine Geschäftsstelle sollte als Ausgleich in die Altmark verlegt werden. Die Entscheidung für Kunrau fiel knapp aus.

Nach langem Hin und Her ist die „Geschäftsstelle“ des Zweckverbandes vor vier Wochen in Kunrau eröffnet worden. Der Pferdefuß: Der angebliche Hauptsitz des Verbandes hat dienstags und donnerstags jeweils zwei Stunden geöffnet – ganze vier Stunden pro Woche. Auf der Internetseite des Verbandes ist Calvörde als Geschäftsstelle ausgewiesen.

Das kann nicht sein, findet Christian Hinze-Riechers, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Klötze. „Wir sind enttäuscht über die Situation“, sagt er im Gespräch mit der Volksstimme. Vom Zweckverband selbst habe es damals die Anfrage gegeben, ob die Stadt Räume zur Verfügung stellen kann. Auslöser war die Tatsache, dass der Zweckverband aus dem Stammsitz in Oebisfelde ausziehen musste, weil die Naturparkverwaltung Eigenbedarf angemeldet hatte. „Wir haben zugesagt, dass der Verband mietfrei in die Räume im Schloss einziehen kann“, verdeutlicht Hinze-Riechers. Der Sitz des Verbandes sollte nach Kunrau kommen, die Verwaltung in Calvörde in das Gebäude der Verbandsgemeinde.

Klötzer fühlen sich hintergangen

„Es ist schade, dass es nun so gekommen ist. Die Geschäftsgrundlage war eine andere“, stellt Hinze-Riechers klar. Er sei davon ausgegangen, dass Verbandsgeschäftsführer Matthias Kausche an einem Hauptsitz des Verbandes in Kunrau sein Büro haben werde. Auch das sei nicht der Fall.

Die Klötzer fühlen sich hinters Licht geführt. Zumal der Altmarkkreis als Mitglied des Verbandes für den wesentlich größeren Teil des Drömlings zuständig ist. Dennoch befinden sich nun beide Geschäftsstellen im Bördekreis. Christian Hinze-Riechers: „Es besteht die Befürchtung, dass sich die weitere Gestaltung des Drömlings organisatorisch von der Altmark entfernt.“

Dass der Zweckverband in Kunrau nur vier Stunden pro Woche geöffnet hat, spielt für den Vorsitzenden Jürgen Barth keine entscheidende Rolle. Grund dafür seien „praktische Erwägungen“. „Als der Verband in Oebisfelde ausziehen musste, gab es in Calvörde die technischen Voraussetzungen wie den Internetanschluss bereits. In Kunrau war das nicht so“, erläutert er. Die Räume im Schloss seien noch nicht fertig gewesen. Zu den praktischen Erwägungen zählt Jürgen Barth auch kürzere Wege, weil eine Mitarbeiterin des Verbandes in Magdeburg wohnt, die andere in Gardelegen.

Dass Matthias Kausche und seine Mitarbeiterinnen bei Bedarf außerhalb der Öffnungszeiten nach Kunrau kommen würden, kann nur ein schwacher Trost sein. Denn mit dieser Verfahrensweise hat der Zweckverband die Stadt Klötze und auch den Altmarkkreis ausgetrickst.