Magdeburg l Anonymität ist höchstes Gebot in den Räumen von „magdalena“. Die Frauen, die in die landesweit erste Beratungsstelle für Prostituierte kommen, sollen sicher sein können, dass sie dort Information und Unterstützung bekommen, ohne ihre Identität preisgeben zu müssen. „Wir werten oder bewerten hier nicht, sondern wollen die Frauen mit den Angeboten unterstützen“, sagte eine der beiden Mitarbeiterinnen von „magdalena“.

Auch sie wollen vorerst anonym bleiben, lassen sich gestern während der Eröffnung der Beratungsstelle in der Friesenstraße nicht von den Medien­vertretern ablichten. Sie gehen auch zu den Wohnungen, in denen die Prostituierten in Magdeburg arbeiten. Wenn man sie erkennt, wissen die Nachbarn sofort Bescheid, wer da vor der Tür einer Wohnung steht. Prostitution ist ein ruf- schädigendes Stigma, auch davor sollen die Frauen möglichst bewahrt werden, so weit es in den Möglichkeiten der Beratungsstelle liegt.

Schutzraum für Frauen

Träger der „Beratungsstelle für Frauen und Trans-Frauen in der Prostitution“, so der offizielle Name von „magdalena“, ist der Awo-Landesverband Sachsen-Anhalt. Maßgeblich gefördert wird das Projekt von der „Aktion Mensch“. Die Finanzierung ist für drei Jahre gesichert, „und wir hoffen, in der Zeit aufzeigen zu können, dass die Beratungsstelle wirklich gebraucht wird und dass sie dann vom Land finanziert wird“, sagte gestern Awo-Vorstand Wolfgang Schuth.

Die Arbeit von „magdalena“ teilt sich in die Bereiche „Beratung“, „Begleitung“, „Begegnung“ und „Streetwork“ auf. Die Frauen sollen Beratung, etwa zum im Juli in Kraft tretenden „Prostituiertenschutzgesetz“ in Anspruch nehmen können, und die beiden Mitarbeiterinnen stehen als Begleitungen, beispielsweise für Behördengänge oder bei der Suche nach einer Wohnung, zur Verfügung. „magdalena“ will daneben auch ein „Schutzraum für Frauen“ und für Begegnungen sein. Und die beiden Mitarbeiterinnen sind als Streetworkerinnen dorthin unterwegs, wo Prostitution stattfindet. In Magdeburg sind das in erster Linie im ganzen Stadtgebiet verteilte Wohnungen.

Beratung und Information

Heike Ponitka, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, sagte „magdalena“ die Unterstützung aus dem Rathaus zu. Sie erinnerte gestern auch daran, dass es fast zehn Jahre gedauert habe, bis die Beratungsstelle eingerichtet werden konnte.

Für Angela Kolb-Janssen, Awo-Präsidiumsmitglied und Justizministerin a. D., ist die Beratungsstelle der richtige Weg, um die Betroffenen wirklich zu erreichen. Sie sei froh, dass Magdeburg dieses niedrigschwellige Angebot zur Unterstützung jetzt habe. Und auch Johanna Weber, politische Sprecherin des „Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen e. V.“, stufte die Beratungsstelle als „sehr wichtig“ ein. Besonders für junge Prostituierte seien Beratung und Information und auch eine Notanlaufstelle von großer Bedeutung.