Magdeburg l Die Bürger machen Front gegen die Pläne der Stadt und der Magdeburger Wohnungsgenossenschaft (MWG), am Biederitzer Weg ein neues Wohnquartier mit Mehrfamilienhäuser zuzulassen. Eigenheime ja, aber keine Mehrfamilienhäuser lautet das Resümee der Bürgerversammlung zur geplanten Bebauung am Biederitzer Weg/Berliner Chaussee. Das Stadtplanungsamt stellte am Donnerstagabend auf einer Bürgerversammlung den Vorentwurf des Bebauungsplans Nr. 252-3 „Berliner Chaussee 1-7/Biederitzer Weg“ vor.

Die Stadtplaner und die MWG, mussten allerhand kritische Töne einstecken. Die anwesenden Bürger lehnen den mehrgeschossigen Wohnungsbau ab. Bereits 2014 haben sich rund 50 Anwohner in den Straßen Berliner Chaussee, Biederitzer Weg, Herrenkrugstraße, Georg-Heidler-Straße sowie Kleingartenbesitzer der Anlage „Friede und Eintracht“ zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Diese kritisiere die verdichtete Bebauung in diesem von viel Grün geprägten Areal. „Wir bevorzugen eine naturnahe Bebauung mit Eigenheimen“, machten die Bürger am Donnerstag deutlich.

Staffelgeschoss in der Kritik

Am Biederitzer Weg ist laut der aktuellen Entwürfe eine zweigeschossige Bebauung plus Staffelgeschoss geplant. An der Berliner Chaussee ist eine drei- bis viergeschossige Bebauung plus Staffelgeschoss vorgesehen. In der von der Stadt und MWG bevorzugten Variante ist zudem eine Riegelbebauung quer über die Grünfläche von der Berliner Chaussee zum Biederitzer Weg angedacht.

Die Bürgerinitiative kritisiert an dem aktuellen Vorentwurf u. a., dass die von den Stadträten im Oktober 2015 beschlossenen Planungsziele für das Areal komplett ignoriert würden. „Die Bebauung am Biederitzer Weg soll höchstens zweigeschossig erfolgen. Im Stadtratsbeschluss ist nicht die Rede von einem Staffelgeschoss“, missbilligte Anwohner Rolf Oesterhoff.

Siedlungsbau fortsetzen

Auch das geplante Mehrfamilienhaus im Zentrum des Grundstückes sei nicht Bestandteil des Stadtratsbeschlusses. Dem schloss sich auch Stadtratsmitglied Jens Rösler (SPD) an. Bei dem Vorentwurf habe man sich nicht an die Vorgaben des Aufstellungsbeschlusses gehalten.

MWG-Vorstand Thomas Fischbeck machte während der Bürgerversammlung deutlich, dass es bereits Gepräche mit den Eigenheimbesitzern am Biederitzer Weg gegeben habe. Die ursprünglichen Pläne waren nach Protesten von Anwohnern geändert worden. „Wir haben bereits auf die Hinweise der Anwohner reagiert.

Die einstige viergeschossige Bebauung am Biederitzer Weg wurde zugunsten einer aufgelockerten Bebauung ad acta gelegt“, so Fischbeck. Mit den derzeitigen Pläne stoße die MWG bereits jetzt an ihre wirtschaftlichen Grenzen, damit das Bauprojekt rentabel bleibt. Thomas Fischbeck verteidigt am Donnerstagabend das Vorhaben mehrfach: „Wir bauen hier keine Hochhäuser, sondern setzen den bereits vorhandenen Siedlungsbau fort.“ Bei der Bebauung orientiere man sich am Umfeld. Das sehen die Bürger anders und verwiesen auf die benachbarte Eigenheimsiedlung am Zuckerbusch.

Keine konkreten Planungen

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Verkehrsanbindung des neuen Wohnquartiers über die Herrenkrugstraße. Jens Rösler, der selbst in der Herrenkrugstraße wohnt, kritisierte die Stadtplaner dafür, dass bislang hierfür keine konkreten Planungen vorliegen. Er regte an, die die Einfahrt zum Biederitzer Weg weiter nördlich zu realisieren und die Kreuzung zu verbreitern. Bereits jetzt könne man regelmäßig beobachten, das ortsfremde Autofahrer in den Schienenbereich fahren, berichtete ein Anwohner.

Eine Zu- und Abfahrt zum MWG-Grundstück im Bereich der Berliner Chaussee ist seitens der Stadtplaner nicht angedacht, da hier Rad- und Fußweg gekreuzt werden.

Für Unverständnis bei den Eigenheimbesitzern im Biederitzer Weg sorgt der mit der Erschließung des MWG-Wohnquartiers geplante Ausbau des Biederitzer Weges. „Wir müssen blechen, damit ein Investor bauen kann“, gab es scharfe Kritik aus den Reihen der Anwohner.

Denn wird der 371 Meter lange Weg grundhaft ausgebaut, müssen sich auch die Eigenheimbesitzer, die die MWG-Pläne kritisieren, an den Kosten beteiligen.

Gebaut wird nicht vor 2022

Die Stadtverwaltung befürwortet den Ausbau, da hier der Verkehr in beide Richtungen abfließen kann. Derzeit sind zwei Varianten im Gespräch. Bei einer Variante ist eine Straßenbreite von sieben Metern geplant, mit Fußweg auf der Ostseite und Versickerungsgraben auf der Westseite.

Diese Pläne machen jedoch einen Eingriff in Privatgrundstücke notwendig, so wären auch Grundstücke der benachbarten Kleingartensparte betroffen. Eine zweite Variante sieht eine Mischverkehrsfläche ohne Fußweg vor. Hier wären keine Eingriffe in private Grundstücke erforderlich. Die zusätzlich zu erwartenden Autos bleiben aus Sicht der Anlieger ein Problem. Man müsse mit wesentlich mehr Autos rechnen, als mit den Stellplätzen vorgesehen sei.

Ein Anwohner gab zudem zu Bedenken, dass bereits jetzt die Schulen und Kitas in Cracau an die Grenzen ihrer Kapazitäten stoßen. „Wird das in den Planungen überhaupt berücksichtigt“, so der Bürger. Hubert Wiesmann vom Stadtplanungsamt machte deutlich, dass solche Details in die Planung auf jeden Fall einfließen und man noch am Anfang des des B-Plan-Verfahrens sei. Öffentliche Träger wie die Magdeburger Verkehrsbetriebe oder Umweltbehörden wurden noch nicht angehört.

Gebaut werden soll am Standort übrigens nicht vor 2022, erklärte Thomas Fischbeck.

Wie viel Brisanz die geplante Bebauung im Bereich Biederitzer Weg und Berliner Chaussee birgt, war auch dadurch spürbar, dass die Bürgerversammlung seitens der Anwohner mit einer Kamera aufgezeichnet wurde.