Seehausen l Die ehemalige Konservenfabrik und ihre Nebengelasse werden im Amtsgericht Stendal in vier Losen ab 8.30 Uhr bis gegen Mittag zwangsversteigert. Die Kommune selbst hat das juristische Prozedere angestrengt. Möglich machen das in erster Linie Steuerschulden, die der Eigentümer über viele Jahre bei der Hansestadt angehäuft hat.

Sicher könnte Seehausen bei einer guten Auktion von Einnahmen profitieren. Aber die Chancen stehen angesichts der ruinösen Baulast eher schlecht. Nicht umsonst beträgt der Verkehrswert laut Gutachten bei drei der vier betroffenen Flurstücke nur einen (symbolischen) Euro. Und Bürgermeister Detlef Neumann macht auch kaum einen Hehl daraus, dass ihm vor allem etwas daran liegt, dass der beziehungsweise die stadtbildprägenden Schandflecke verschwinden.

Die Grundstücke sind mehr oder weniger unregelmäßig zugeschnitten. Die Hauptfläche mit der eigentlichen Fabrik an der Arendseer Straße ist fast 2400 Quadratmeter groß und verfügt über die meisten baulichen Altlasten. Die seit gut 20 Jahren ungenutzten Gebäude sind in einem so schlechten Zustand, dass es der Gutachter laut Protokoll bei einer Außenbesichtigung belassen hat.

Bilder

Die Immobilien dürften auch der eigentliche Haken an der Geschichte sein. Das Geld das ein potenzieller Bieter nicht für das Grundstück ausgeben muss, hätte er, um Baufreiheit zu schaffen. Der Abriss der Häuser dürfte einige Mühen und Finanzen kosten, bevor überhaupt an ein neues Projekt gedacht werden kann.

Das Grundstück auf der anderen Seite der Fabrikstraße, das auch von der alten Konservenfabrik genutzt wurde, ist „nur“ gut 1300 Quadratmeter groß, aber auch mit einer Gewerberuine belastet. Das interessante an dieser Scholle ist, das sie bis in die Einkaufsstraße (Mühlenstraße) reicht, um dort mit einem Wohnhaus abzuschließen, dessen Verkehrswert im jetzigen Zustand aber praktisch auch nicht darstellbar ist. Heißt: Das Gebäude ist wohl nur noch ein Fall für die Abrissbirne.

Die anderen beiden Grundstücke spielen aufgrund ihrer Größe eher eine untergeordnete Rolle bei flächenplanerischen Aktivitäten, nicht aber vom Preis. Denn der rund 200 Quadratmeter große „wilde“ Parkplatz zwischen Ratskellerhof und Fabrikstraße verfügt über Baufreiheit und ist in den Versteigerungs-Unterlagen wohl deshalb mit einem Verkehrswert von 4000 Euro angegeben.

Nicht nur der Bürgermeister ist vorsichtig optimistisch, dass es einen Interessenten für die Lose gibt. Am Ende ist es eine Frage des Preises, den der Bieter bereit ist zu zahlen.

Die Flächen, wenn sie beräumt wären, sind ohne Zweifel Filetstücke, die sich für eine Wohnbebauung oder für altengerechtes Wohnen mit akzeptabler Infrastruktur (Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Kitas, Geschäften, Ärzte, Apotheken) eignen würden. Bei der Nutzungsumwidmung dürfte es kaum Probleme geben. Allerdings befinden sich alle vier Grundstücke im Sanierungsgebiet und damit unter dem Einfluss von Gestaltungsrichtlinien. Und wer in die Erde will, muss wissen, dass er in einem archäologischen Flächendenkmal buddelt.