Schönebeck l Knapp 50 Vertreter von Kirchbaufördervereinen aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg haben am Sonnabend im Schönebecker Julius-Schniewind-Haus getagt. Zu diesem Jahrestreffen eingeladen hatte die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Zum Thema „Zwischen Landlust und Landfrust“ sprach der Referatsleiter im Landeskirchenamt, Thomas Schlegel. Angesichts des demografischen Wandels, der sich vor allem im ländlichen Raum bemerkbar macht, zeigte Schlegel auf, was seiner Einschätzung nach wichtig ist, um Gemeindearbeit am Laufen zu erhalten: „Es braucht Leute, die aktiv werden, Netzwerker, die andere zusammen bringen. Und es braucht immer ein Team, das eine Arbeit leistet, die Spaß macht. Spaß, ein Aspekt, mit dem wir uns als Kirche etwas schwer tun.“

Auslöser für Aktivitäten in Kirchengemeinden seien oft Krisen. Oft würden sich erst dann, wenn eine Kirche drohe zu verfallen, Menschen finden, die sich für einen baulichen Erhalt stark machen.

Kirche sei, so wurde in der Diskussion Landesbischöfin Ilse Junkermann zitiert, „an vielen Stellen mit ihrer Tradition am Ende“. Deshalb seien neue Wege, neue Ideen gefragt. Auf Heiterkeit stieß der Satz eines Teilnehmers aus Haldensleben, dass sich nach einem Spendenaufruf zuerst die Partei Die Linke gemeldet habe.

18 Kirchturmspitzen für einen Pfarrer

Der ehemalige thüringische Regionalbischof Reinhard Werneburg hielt fest, dass sich das Berufsbild des Gemeindepfarrers grundlegend gewandelt habe. Pfarrer würden sich heute einem „unüberschaubaren Gebiet gegenüber sehen“. Statt wie früher drei oder vier Kirchturmspitzen, würden sie mittlerweile 16, 17, 18 oder mehr in ihrem Verantwortungsbereich zählen. Und der Strukturwandel auf dem Lande halte an, die nächste Reform stehe quasi vor der Türe. Wie dem begegnen? „Durch Kommunikation untereinander. Daran führt kein Weg vorbei“, munterte Werneburg die Menschen vor Ort zu einem verstärkten Miteinander auf. Die Urbanisierung, also der Zuzug in die Städte und damit die Landflucht sei eine weltweit zu beobachtende Entwicklung, befand Schlegel.

Ein Höhepunkt der Tagung war die Vergabe des Ehrenamtspreises „Goldener Kirchturm“. Altbischof Axel Noack hatte ihn noch für die Kirchenprovinz Sachsen erfunden, seit der Fusion mit der thüringischen Landeskirche 2009 wird er jährlich für den nördlichen Bereich und für den südlichen Bereich der EKM vergeben (die Landeskirche reicht von Salzwedel bis Sonneberg).

Tagungsort Schönebeck ideal

Der erste Preis des „Goldenen Kirchturms“ 2015 im Norden der EKM ging an die evangelische Kirchengemeinde St. Nikolai in Wettin bei Halle. Die Mitglieder des Fördervereins und die Kirchengemeinde hätten sich gegen etwas gestemmt, was zu DDR-Zeiten einer Losung gleich kam: „Ruinen schaffen ohne Waffen“. So umschrieb Werneburg scherzend die Auswirkungen der Mangelwirtschaft. Die aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirche in Wettin war nie durch Krieg oder Brand zerstört worden, aber seit 1958 wurde sie aufgrund eines Schwammbefalles nicht mehr genutzt. Und verfiel. Erst 1999 fanden sich Menschen, die dem Verfall Einhalt gebieten wollten. In 15 Jahren warben sie knapp 1 Million Euro ein. Nun erstrahlt die Kirche im alten, neuen Glanz.

Zwei zweite Plätze gingen an den Förderverein Gollwitzer Dorfkirche und den Förderverein Barock-Kirche Karow (bei Genthin). Der erste Platz ist mit 3000, die zweiten Plätze mit jeweils 1000 Euro dotiert.

Schönebeck als Tagungsort sei ideal, sagte Werneburg gegenüber der Volksstimme. Es liege quasi geografisch in der Mitte und das Schniewind-Haus biete ideale Bedingungen.