Barby l Die Volksstimme bittet in ihrer Serie Menschen aus der Region „auf eine Tasse Kaffee“. Eine unbeschwerte Plauderei über mehr oder weniger wichtige Dinge des Lebens. Dieses Mal ist Andy Weber (43) an der Reihe, dessen „Villa Kunterbunt“ am Fuße des Barbyer Marienkirchturms unübersehbar ist. Besonders die Innenräume machen diesem Namen Ehre.

Hier befindet sich Andys Tattoo-Studio, stehen Orgeln und Gitarren herum, hängen selbst gemalte Ölbilder an der Wand. Als wir uns zum vereinbarten Termin treffen, sitzt der 43-Jährige in einem Bambus-Rohrsessel und zupft seinen E-Bass. „Ich bin zu 98 Prozent Musiker“, lächelt Andy Weber. Wer ihn seines Äußeren wegen schnell mal in die Schublade „Lebenskünstler“ verfrachten möchte, tut ihm unrecht. Denn die Auftritte mit der Rockband „Rose Bogey‘s“, die sich augenzwinkernd schon mal als „Prediger der Sinnlichkeit“ bezeichnen, häufen sich zunehmend. „Im vergangenen Jahr kamen wir auf 75 000 Zuschauer“, erzählt Andy. Wobei freilich als Publikumsmagnet die „Pyrogames“ halfen. Die Organisatoren der Feuerwerksshow hatten das Rock-Trio zu Auftritten in ganz Deutschland teilverpflichtet. In diesem Jahr rocken die drei Herren alle „Pyrogames“. Eine Menge Arbeit, die nicht nur Kreativität, sondern auch Fleiß fordert. Dreimal pro Woche wird geprobt. Zudem geht die Band in diesem Jahr auf die „Mystery Tour 2017“, wo sie ihr erstes Album vorstellen wird. Am Sonnabend, 18. März, ist übrigens der Tour-Auftakt in Magdeburgs „Festung Mark“. Los geht es um 20 Uhr.

Knastbruder im „Polizeiruf“

Andy Weber ist künstlerisch auf vielen Plattformen unterwegs. So verdingte er sich vor wenigen Tagen als Knastbruder in Magdeburg. Hier wurden Szenen eines „Polizeiruf 110“ gedreht, in dem Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann, „Weißensee“) der Tod eines Häftlings Rätsel aufgibt.

Die Agentur „Filmgesichter“ suchte 300 Männer als Komparsen und Kleindarsteller. Besonderes Merkmal: Sie sollten „ungewöhnlich“ sein. Also zum Beispiel Tattoos haben, „Türsteher-Typen“, Biker oder Bodybuilder sein. Und dieser Vorgabe wurde der Barbyer ja nun wirklich gerecht, dessen Tattoos mit seiner Haartracht zum Körper-Gesamtkunstwerk verschmelzen.

Kunstlehrer

Der Film wurde im Ex-Knast der Landeshauptstadt gedreht, weil es in Nordrhein-Westfalen keine leeren JVAs gibt. Im Gefängnis brach für den Film eine Revolte aus, wo sich die „Ungewöhnlichen“ so richtig austoben mussten. Worum es genau ging, darf Andy noch nicht erzählen. Der „Polizeiruf“ trägt den Arbeitstitel „Tollwut“; Ostersonntag soll voraussichtlich ein Vorfilm im Fernsehen gezeigt werden.

Wenn der Krimi ausgestrahlt wird, dürften sich auch einige Eltern der christlichen Sekundarschule Barby/Großmühlingen wundern: Wenn sie nämlich plötzlich ihren Kunstlehrer als Knastbruder im TV identifizieren. Denn Andy Weber ist auch freier Honorar-Lehrer dieser Bildungsstätte. Im Zeichenunterricht vermittelt der Freigeist dem Nachwuchs die kreative Note. Die Kinder lieben Andy, der äußerlich so gar nichts von einem Lehrer mitbringt.

Andy Weber wanderte 1998 nach Australien aus, arbeitete dort als Tätowierer und Musiker. 2003 kehrte er mit Frau Kerstin und Sohn Mifune nach Calbe zurück, weil der damals Zweijährige in seiner Prägungsphase verinnerlichen sollte, dass zur Familie nicht nur Mama und Papa gehören.

Musikalische Wurzeln

Seine musikalischen Wurzeln hat der 43-Jährige in Barby. Hier rockte er den Bass ab 1991 bei „Fenstersturz“, bevor er zu den Aborigines auswanderte.

Andy Weber liebt seine Heimat, die kleine Elbestadt Barby. Mit diebischer Freude erzählt er jene Geschichte, als er und seine Kumpel einen „unterirdischen Gang“ am „Prinzeßchen“ ausgraben wollten, jedoch von der Polizei gestoppt wurden.