Eggersdorf/Schönebeck l Eigentlich wollte Heinz Johnen seine wertvolle Sammlung aus Münzen und Geldscheinen seinen Kindern vermachen. Doch die konnten mit diesem Hobby bisher nichts anfangen. Mit einem Schmunzeln im Gesicht mutmaßt der 63-Jährige: „Die Kinder würden vermutlich eine Münze einfach mal für fünf Euro abgeben.“ Also ist Heinz Johnen lieber selbst auf Tauschveranstaltungen dabei, um seine mitunter sehr hochwertigen Stücke zum Verkauf anzubieten. „Von dem Geld fahre ich dann mit meiner Frau in den Urlaub“, sagt Johnen.

Der Sammler kommt aus Dänemark – und ist damit am Sonnabend einer der am weitesten angereisten Gäste auf dem 54. Großtausch in Eggersdorf. An insgesamt 90 Tischen stöbern hunderte Gäste den gesamten Vormittag zwischen Uniformen, Taschenuhren und Fachliteratur. Wer die Sammelalben von Heinz Johnen durchblättert, findet ein ganz wertvolles Stück: Eine Talermünze aus Schleswig-Holstein aus dem Jahr 1688. Für 650 Euro könnte diese beim Dänen über den Tisch gehen. Heinz Johnen hat mit acht Jahren angefangen zu sammeln, ist Mitglied in fünf Münzvereinen und verstaut seine Alben sicher im Waffenschrank.

Wer am Sonnabend nicht so genau weiß, was seine Sammlerstücke wert sind, kann sie am Tisch von Reinhard Banse bewerten lassen. Der Schönebecker organisiert den Tausch und war in der vergangenen Woche mehrmals im Sportzentrum, um alles zu organisieren. Banse hat sich seit Jahrzehnten den Orden verschrieben – hat selbst ein paar tausend der Ehrenzeichen zuhause. Für sein Engagement in Kommunalpolitik und Vereinen gab es sogar das Bundesverdienstkreuz.

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Jede Menge Erfahrung

Gerade schaut er sich ein Ehrenzeichen ganz genau an, gibt seine Einschätzung ab. Darin hat der ehemalige Lehrer bereits jede Menge Erfahrung gesammelt. Nicht bewerten kann Reinhard Banse die vielen unterschiedlichen Zapfhähne, die ein Besucher am Sonnabend dabei hat. „Das ist einfach zu speziell“, sagt Banse. Vor ihm liegt ein großes weißes Schutzschild, mit dem Polizisten zu DDR-Zeiten ausgerüstet waren. Am Tisch gleich gegenüber sind Säbel ausgestellt. Die ältesten stammen aus der Zeit um 1830 und können bei Karl-Heinz Vollmer für mehrere hundert Euro erworben werden. Der Sammler aus Hildesheim hat die historischen Waffen mit einem Seil gesichert. Das ist beim Tausch in Eggersdorf Vorschrift. Seine gesammelten Feuerwaffen darf Karl-Heinz Vollmer dort gar nicht anbieten. Er ist in seiner Zeit als Bundeswehrsoldat eher zufällig zum Sammeln gekommen – eine Kaserne sollte geschlossen und dort angesammelte historische Überbleibsel einfach beim Schrotthändler landen. Das hat Vollmer verhindert. Doch der Niedersachse musste in den letzten Jahren immer wieder feststellen, dass die Sammelleidenschaft abnimmt, die Jüngeren entweder keine Zeit oder Lust haben, sich damit zu beschäftigen. „Ich habe damals stundenlang in meinem Kämmerchen Fachliteratur gewälzt, um herauszufinden, von wann ein Stück stammt oder was es wert sein könnte“, erinnert sich Karl-Heinz Vollmer.

Solche Bücher schreibt Frank Bartel. Auch er hat einen Stand in Eggersdorf. Der Autor aus Cottbus kommt jedes Jahr mit einem neuen Buch über Orden und Ehrenzeichen zum Tausch. Nur ein paar Tische weiter fällt ein junger Mann auf, der sich offensichtlich trotz abnehmendem Trend die Zeit zum Sammeln nimmt: Lucas Roth aus Magdeburg. Er kommt vom Kunsthaus Magdeburg, einem Antiquitätengeschäft in dritter Generation. Selbst sammelt er DDR-Münzen. Am Sonnabend bietet er allerdings auch Taschenuhren an. Die nimmt ein Besucher ganz genau unter die Lupe. Der Bundeswehr-Feldarzt war gerade auf Durchreise, als ihm die Schilder zum Großtausch an der Straße ins Auge fallen. Schnell wird er in der Eggersdorfer Halle fündig: Erst eine Ledertasche für seine Jagdpistole und dann darf es auch noch eine Taschenuhr sein.