Stendal l Wie schwer es ist, in einem fremden Land das Leben von vorn anzufangen, weiß Elona Streicher nur zu gut. „Vor allem die erste Zeit. Fremdes Land heißt ja nicht nur fremde Sprache und fremde Kultur, sondern auch, dass man bei Behörden von A nach B geschickt wird.“ Und als ob das nicht schon kräftezehrend genug wäre, haben die Flüchtlinge, die jetzt zu uns kommen, noch viel mehr zu verarbeiten: „Sie kommen aus Kriegsgebieten.“

Sie selbst sei ja „nur eine Spätaussiedlerin“, war also längst in Berührung mit der deutschen Sprache und Kultur. „Aber es war dennoch anstrengend genug“, erinnert sich die 30-jährige Stendalerin, die als 13-jähriges Mädchen mit ihrer Familie aus Kasachstan nach Deutschland kam. Sie weiß, was es heißt, in einer Erstaufnahmestelle mit hunderten anderen Menschen auszuharren, weiß, wie das Leben in der Gemeinschaftsunterkunft ist. Und Elona Streicher weiß, was man wissen möchte und sollte, wenn man sich in einem neuen Land zurechtfinden muss, welche Kontakte wichtig sein können und einem weiterhelfen.

Seite in mehreren Sprachen

Und sie weiß, woran diejenigen, die helfen möchten, manchmal scheitern oder verzweifeln. Auf einer Weiterbildung für Helfer für Flüchtlinge hat sie festgestellt: „Alle stehen vor den gleichen Problemen und Fragen.“ Und damit nicht jeder für sich von vorn damit anfangen muss, sie zu lösen, hat Elona Streicher die Internetseite www.wir-helfen-gern.com aufgebaut, die sich als „Informationsseite für alle, die Flüchtlingen helfen möchten“ versteht und perspektivisch den ganzen Landkreis Stendal erfassen soll.

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Die Seite – dank eines Übersetzungsprogramms beispielsweise auch auf Arabisch, Englisch, Farsi oder Russisch zu lesen – ist seit September online und im ständigen Aufbau begriffen. Vorgestellt werden Organisationen und Projekte, die sich für Flüchtlinge und Migranten einsetzen – so zum Beispiel die Stendaler Migranten-Initiative, das DRK, die Hochschule, die Freiwilligenagentur, die Teestube Maranata und das Erzählcafé der Evangelischen Stadtgemeinde. Auch einen Veranstaltungskalender gibt es. Die meisten Angebote sind in Stendal zu finden, erste Ansprechpartner gibt es für Osterburg und Bismark. „Auch in Tangerhütte, Seehausen und Havelberg gibt es viele Initiativen“, weiß Elona Streicher, „ich hoffe, sie möchten auch auf die Seite.“ Für Anregungen und Anfragen ist sie dankbar und auf vielen Wegen erreichbar (siehe unten).

Seite und Kontakte pflegen, Spenden sammeln

Genauso kann man sich an sie oder die unter den Rubriken „Spenden“ und „Helfer“ genannten Stellen wenden, wenn man, eben: spenden oder helfen möchte. „Wer mir signalisiert, dass er noch Helfer braucht oder wissen möchte, wo er sich engagieren kann, findet hier Möglichkeiten“, sagt Streicher, die die Internetseite abends neben ihrer 40-Stunden-Woche als Verwaltungsangestellte betreut, die Kontakte knüpft und pflegt und selbst Spenden sammelt und nach Klietz in die Erstaufnahmeunterkunft bringt.

Warum sie das alles tut, ist keine Frage: „Weil ich gern helfe. Und ich denke, dass es anderen auch so geht.“ Und genau darum heißt die Seite, die mit einem Startbetrag vom Programm „Demokratie leben“ des Bundesfamilienministeriums gefördert wurde, eben so, wie sie heißt. „Ich rede da gern in Wir-Form, denn ohne die anderen und ihre Informationen würde ich ja gar nicht weiterkommen.“

Beispielhafte Hilfsbereitschaft

Mit ihrer eigenen Hilfsbereitschaft und Offenheit kann man Elona Streicher als beispielhaft bezeichnen. Die gefahrvollen und oftmals lebensbedrohlichen Wege der Flucht kann sie den Menschen nicht leichter machen. „Aber ich möchte es ihnen doch wenigstens hier vereinfachen.“ Und das geht ihrer Meinung nach manchmal mit ganz simplen Mitteln: „Wenn man keine Vorurteile hat und einfach lächelt und grüßt, verlieren auch sie die Hemmung. Und man zeigt damit: Für mich seid ihr hier willkommen.“

Kontakt zu Elona Streicher entweder über www.wir-helfen-gern.com, E-Mail: elona.streicher@gmail.com, oder Tel.: 0152/06  32  89  40