Stendal l Bushido. Haftbefehl. Kollegah. Rapper geben sich normalerweise Namen, die hart klingen. Und dann gibt es noch Schnitte. Genauso wenig wie sein Künstlername passt auch Philipp Schmidt, wie Schnitte bürgerlich heißt, in das Rapper-Klischee. Bis auf seine Tattoos vielleicht.

Statt Reime auf dicke Autos und hübsche Frauen zu machen, rappt Schnitte lieber über Alltagsprobleme. Tiefsinnig? Gerne. „Es muss aber nicht immer alles Sinn ergeben. Manchmal macht es auch Spaß, banale Texte zu schreiben“, sagt der 25-jährige Stendaler lachend. Noch so etwas, was nicht so richtig ins Rüpel-Rapper-Klischee passen will: Schnitte ist ein echt netter Kerl. Und: Er singt in seinen Liedern auch mal gerne die Hook (Refrain). Pop meets Hip-Hop, das ist sein Ding. „Ich seh mich selbst auch nicht so als Battle-Rapper.“ Statt Diss-Tracks gibt es Songs, die seine Lebenslage widerspiegeln. „Das sind oft die Schnulzen. Die sind meist tiefgründiger. Ich rappe auch darüber, was mich aufregt. So ist der Song ‚Scheiß Technik‘ entstanden. Da ist mir mein neuer Laptop kaputt gegangen.“ Musik ist für den gelernten Stromverkäufer ein Ventil.

War es schon immer – seit zehn Jahren ist er schon dabei. „Meine Freunde haben auch alle Musik gemacht. Jedes Wochenende saßen wir mit Bier und Stiften in den Händen zusammen und haben Songs gemacht.“ Daraus entstand 2009 die Hip-Hop-Formation „Caliente Stylez“, welche sogar bei „Local Heroes“ den zweiten Platz belegte. „Hätten wir gar nicht erwartet, als einzige Hip-Hop-Band zwischen all den Rockern.“ Schnitte freut sich noch immer darüber. Doch auch Wehmut schwingt in seiner Stimme mit.

„In Stendal fehtl die Plattform“

Seine Caliente-Freunde sind fast alle weggezogen und für junge Musiker ist szenemäßig in Stendal fast nichts mehr zu holen. „Es gab früher Veranstaltungen von Rappern im RAW-Kultursaal. Heute fehlt jemand, der sich für diese Musik in Stendal öffentlich starkmacht. Es gibt keine Plattform, um sich zu zeigen“, bedauert er. „Dabei gibt es hier echt gute Leute.“

Doch Schnitte weiß sich zu helfen: Auf Internetplattformen wie Facebook oder Youtube promoted er seine Musik. Und das mit Erfolg. Sein erstes Musikvideo zum neuesten Song „Geh nicht weiter“ sammelt seit dem 1. November eifrig Klicks bei Youtube. Über 450 sind es dort schon – und auf Facebook wurde der Song weiterverbreitet und über 5000 Mal aufgerufen. „Damit hätte ich nie gerechnet. Es hat mich sehr gefreut, dass meine Musik so gut ankommt.“ Laut Schnitte handelt der Song davon, nicht nur von Ziel zu Ziel zu hetzen, sondern innezuhalten und sich über das Erreichte zu freuen. Eine schöne Botschaft, die er da verbreitet. Das Video dazu war ein spontanes Wochenendprojekt. „Ein Kumpel und ich sind einfach mal los und haben einen passenden Drehort gesucht, der die Herbststimmung gut einfängt.“ Gefunden haben sie diesen dann in Wischer. Songtext, Kamera, Schnitt – der Rapper setzt auf Eigenproduktionen.

Die große Karriere? Muss nicht sein

Er macht fast alles selbst – nur die Beats holt er sich aus dem Internet und abgemischt werden die fertigen Songs von einem Produzenten aus der Nähe von Dortmund. Es soll ja nach was klingen, denn Rappen ist für Schnitte ein Hobby, welches er sehr professionell betreibt. Ob er von der großen Musikkarriere träumt? „Der Durchbruch ist nicht mein Ziel. Klar, wenn sich wer meldet oder jemand was mit mir machen will – gerne.“ Er konzentriert sich aber lieber auf 2017: Da will er wieder auf die Bühne zurück. Endlich.