Stendal l „Wir sind jetzt an dem Punkt, an dem Ronny die Leukämie im Griff hat“, sagt Stephanie Gutzeit. Davon, dass ihr Mann geheilt ist, möchten beide noch nicht sprechen. Dafür ist es noch zu früh. Doch bisher ist die Behandlung gut angeschlagen, der Körper hat die Spenderzellen gut angenommen. Ende der vergangenen Woche konnte Ronny Gutzeit das Krankenhaus mit guten Werten verlassen.

Nicht einmal ein Jahr ist es her, dass das Leben der vierköpfigen Familie von einem Tag auf den anderen völlig auf den Kopf gestellt wurde. „Es war der 4. August 2016. Das ist ein Datum, das man nie vergisst“, sagt Stephanie Gutzeit. Wegen eines geschwollenen Knöchels war ihr Mann Ronny zum Arzt gegangen. Die Diagnose nach der Blutuntersuchung: akute lymphatische Leukämie. Was folgte, waren Monate des Wartens, des Hoffens und dann endlich der Behandlung.

Stammzellen-Spender gefunden

Nach der Diagnose musste ein Stammzellen-Spender gesucht werden. Am Ende waren es fünf, die in Frage kamen. Aber weil sie aus verschiedenen Gründen zu den gewünschten Terminen nicht verfügbar waren, zog sich die Zeit hin. Darum durfte Ronny Gutzeit im Oktober vergangenen Jahres das Magdeburger Uniklinikum verlassen und nach Hause fahren, um Weihnachten mit seiner Familie zu verbringen. Am zweiten Feiertag sollte der heute 34-Jährige wieder dort sein, der Termin für die Transplantation wurde aber erneut verschoben. Und auch der nächste, der für Anfang Januar angesetzt war.

Nicht nur psychisch waren diese Wochen eine Belastung. „Durch die lange Wartezeit gab es einen Rückschlag“, sagt Stephanie Gutzeit. Weil wieder kranke Blutzellen gefunden wurden, sei noch mal eine vierwöchige „scharfe Chemo“ notwendig gewesen.

Hohe Infektionsgefahr

Am 7. März dieses Jahres war es dann endlich soweit: Ronny Gutzeit bekam in Form einer Infusion gefilterte Stammzellen transplantiert. Eine Woche zuvor war eine Ganzkörperbestrahlung erfolgt, um die körpereigenen Zellen abzutöten. Fünf Wochen durfte er das Krankenzimmer dann nicht verlassen, es bestand sehr hohe Infektionsgefahr.

Keine leichte Zeit für ihren Mann, schildert Stephanie Gutzeit und fügt hinzu: „Es macht schon ordentlich was mit deinem Körper.“ Nicht nur die „unheimlich scharfen Medikamente“ seien eine Belastung, sondern auch, das kleine Zimmer nicht verlassen zu können. In den Wochen, in der er kaum Appetit hatte, nahm Ronny Gutzeit 25 Kilo ab.

Zeit des Wartens

Dann wieder eine Zeit des Wartens. Denn die transplantierten gesunden Zellen benötigen Zeit, um ihren Weg zu finden, um sich zu setzen und neues Blut zu bilden. Nach knapp drei Wochen war das soweit.

Erstmals nach Hause nach Hassel konnte Ronny Gutzeit wieder am 25. April. „Die Kinder waren da natürlich aufgeregt“, erzählt Stephanie Gutzeit. Die Kinder, das sind die elfjährige Chelsea und der siebenjährige Milow. Kurze Klinik- aufenthalte folgten, dann ein bis zwei Termine pro Woche zur ambulanten Kontrolle, ob es Abstoßungsreaktionen gibt.

In der vergangenen Woche war der Tag 100 nach der Transplantation, eine wichtige Etappe in der Behandlung. Denn dann wird das Hauptmedikament gegen die Abstoßung abgesetzt. Für Gutzeits ist es ein Etappenziel, an dem die Familie sagt: Endlich, jetzt haben wir es bis hierher geschafft! Jetzt kann es bergauf gehen. Sie selbst, sagt die Ehefrau, sei die ganze Zeit über optimistisch gewesen. Mittlerweile bestehe das Blut zu zirka 97 Prozent aus gespendeten gesunden Zellen.

Unterstützung von den Kollegen

„Wir hoffen, dass es weiter bergauf geht“, sagt Stephanie Gutzeit. Als nächstes steht eine Reha an, „denn sein Immunsystem braucht noch etwas Zeit“. Wenn die 31-Jährige an die vergangenen Monate zurückdenkt, dann auch an die Hilfsbereitschaft vieler Menschen. Die der Familie natürlich, die von Freunden und von Arbeitskollegen. Die Deutsche Post, bei der Ronny Gutzeit arbeitet, habe sie „richtig toll unterstützt“, die Kollegen hätten ihren Mann im Krankenhaus besucht und sich immer nach ihm erkundigt.

Vom 7. Oktober 2016 – noch so ein unvergessliches Datum für die Familie – spricht Stephanie Gutzeit als „bedeutungsvollem Tag“. Damals fand in Stendal eine Typisierungsaktion statt, von ihr und Arbeitskollegen ihres Mannes organisiert. Fast 600 Menschen kamen in die Grundschule Nord. Die Schule beider Kinder, da war von Seiten der Einrichtung die Unterstützung mit Räumen selbstverständlich. Andere hatten schon im Vorfeld die Sets angefordert oder Geld gespendet, um die Typisierungen möglich zu machen. Sie selbst wurde von vielen danach noch angesprochen, hat Zuspruch und Unterstützung erfahren.

Auch wenn der Stammzellenspender am Ende aus Süddeutschland kommt – nach zwei Jahren kann ein Antrag zum Kennenlernen gestellt werden –, war die Stendaler Aktion wichtig, um potenzielle Spender für die Datenbank zu registrieren und anderen Betroffenen helfen zu können. „Es kann jeden von jetzt auf gleich treffen. Und es tut überhaupt nicht weh, wenn etwas Blut abgenommen wird“, ermuntert Stephanie Gutzeit.

Ausflug ins Phantasialand

Kurz bevor Ronny Gutzeit im vergangenen Jahr die Blutkrebs-Diagnose bekommen hat, hatte die ganze Familie einen unbeschwerten Tag im Freizeitpark Phantasia­land in Brühl bei Köln verbracht. „Das wollen wir im nächsten Jahr unbedingt mit der ganzen Familie wiederholen“, verrät Stephanie Gutzeit einen ganz großen Wunsch.