Reddeber/Wernigerode l Es brennt in Reddeber: Die freiwillige Feuerwehr steht kurz vor der Auflösung. Der Grund: akuter Personalmangel. Nur noch fünf Kameraden leisten aktiven Dienst. Viel zu wenig, sagt Marcus Meier, Ortsbürgermeister und Feuerwehrmann. „Eine Feuerwehr besteht aus mindestens 18 aktiven Mitgliedern. Davon sind wir weit entfernt.“ Deshalb starten die Kameraden einen letzten Aufruf: Potenzielle Freiwillige haben am Freitag, 27. Januar, um 19 Uhr die Gelegenheit, sich im Feuerwehrgerätehaus zu melden. Sollte der Appell ins Leere laufen, wird die Wehr zum 1. Februar abgemeldet.

Dem dramatischen Schritt geht eine lange Phase der Stagnation voraus. „Die Feuerwehr gibt es seit drei Jahren nur noch auf dem Papier“, sagt Marcus Meier. 2014 war der bisherige Wehrleiter Jörg Ohlrogge weggezogen, ein Nachfolger fand sich nicht. Die verbliebenen Kameraden gliederten sich der Freiwilligen Feuerwehr Minsleben an, die seitdem unter dem Namen Minsleben/Reddeber firmiert.

Keine Dauerlösung

Eine Dauerlösung ist dies nicht. Im Gegenteil: Seitdem sind weitere Kameraden abgesprungen. Aber die Führungskrise war nur der Auslöser, nicht der Grund für den Niedergang, sagt Marcus Meier. „Die desaströse Personalsituation hat sich seit 2010 zugespitzt.“ Mit der Eingemeindung des Ortes nach Wernigerode vervielfachte sich die Zahl der Einsätze. Während die Wehr zuvor im Schnitt zwischen zehn- und 15-mal jährlich alarmiert wurde, schlugen allein 2010 mehr als 70 Einsätze zu Buche, davon viele durch Brandmeldeanlagen verursachte Fehlalarme.

Das habe zahlreiche Kameraden verprellt, weiß Meier – wobei es angesichts der allerorten schmalen Personaldecke folgerichtig sei, dass sämtliche Wehren alarmiert werden. Für die verbliebenen Brandschützer ist klar, dass es so nicht weitergehen kann. „Wir müssen jetzt Nägel mit Köpfen machen“, sagt Marcus Meier.

Deshalb haben er und seine Mitstreiter den Aufruf gestartet, um in letzter Minute Freiwillige zu mobilisieren. Gebraucht würden aktive Feuerwehrleute, an fördernden Mitglieder habe es in Reddeber nie gemangelt. Kandidaten sollten zwischen 18 und 50 Jahre alt, gesund, körperlich geeignet und bereit sein, sich in ihrer Freizeit zu engagieren. „Wir wollen uns nicht vorwerfen lassen, dass wir nicht alles versucht hätten“, sagt der Ortschef – auch wenn er die Erfolgschancen skeptisch beurteilt.

Brandschutz gesichert

Wernigerodes Ordnungsdezernent Volker Friedrich sieht es ähnlich. „Den Aufruf kann man nur begrüßen“, sagt er. Man hoffe zwar, dass sich jemand meldet, doch fraglich sei, ob dann die vorgeschriebene Mindeststärke erreicht werde. „Es hat keinen Sinn, wenn die Feuerwehr nicht wieder in Gang kommt“, sagt Matthias Treuthardt, Sachgebietsleiter Brandschutz im Rathaus.

Eins stehe fest, so Friedrich: „Der Brandschutz in Reddeber geht nicht den Bach hinunter.“ Die gesetzlichen Verpflichtungen würden von den umliegenden Wehren übernommen. Doch die Kameraden erfüllten oft weitere Aufgaben wie Organisation und Absicherung von Veranstaltungen. „Es ist traurig, wenn sich die Feuerwehr als gesellschaftlicher Faktor in einem Ort verabschiedet.“

Das sieht Marcus Meier eher nüchtern. Das Dorfleben aufrechtzuerhalten, sei nicht Sinn und Zweck einer Feuerwehr. In Reddeber hätten dies andere Vereine übernommen. Als Teamkoordinator Brandschutz beim Harzkreis weiß er, dass seine nicht die erste Wehr der Region ist, die aufgeben muss. Die Aktiven hingegen können in anderen Einheiten am Ball bleiben. „Die Kameraden sind nicht verloren.“