Wernigerode l Sie sind auf dem Taufbecken, dem Altar und hängen an einer steinernen Grabplatte in der Wernigeröder Johanniskirche: Kleine, weiße Zettel mit einem QR-Code – einer Matrix, bestehend aus schwarzen und weißen Quadraten. Wer sein Smartphone zückt und einen dieser Codes mithilfe eines Programms auf das Handy lädt, der wird zu einem von neun Filmen auf dem Youtube-Kanal der Gemeinde geleitet. Gestaltet worden sind sie von den Konfirmanden der Gemeinde, die Besuchern die Kirche vorstellen.

Entstanden ist die virtuelle Kirchenführung seit den Sommerferien in den Konfirmandenstunden, berichtet Pfarrerin Heide Liebold. Das Kennenlernen des eigenen Gotteshauses stehe in den Stunden ohnehin auf dem Plan. „Der Gedanke war, aus der Beschäftigung mit der Kirche etwas Bleibendes zu schaffen“, so die Pfarrerin. Dabei habe man die technische Kompetenz der Jugendlichen nutzen wollen. „Wir wollten die Geschichte der Kirche digital aufbereiten. Wer sich informieren möchte, muss nicht mehr in einer Broschüre nachlesen “, sagt Sarah. „Es ist etwas für Jung und Alt – für jeden, der ein Handy hat“, ergänzt Henrike.

Die 27-köpfige Gruppe hat die regelmäßigen Treffen sowie ein gemeinsames Arbeitswochenende genutzt, um in Eigenregie die Videos zu produzieren. Hilfe bekamen sie dabei von Mitarbeitern des Landesmedienmobils, die die nötige technische Ausrüstung sowie das Fachwissen mitbrachten.

Konfirmanden haben Videos selbst gedreht

Die Jugendlichen gingen systematisch vor. „Erst haben wir uns die Texte aufgeschrieben“, berichtet Henrike. Dann wurden die Einstellungen geprobt. Vor allem das Schneiden und Arrangieren des selbstgedrehten Materials sowie die Musik haben die Konfirmanden begeistert. Die überwiegend sphärische Klangkulisse haben sie mithilfe eines speziellen Programms selbst komponiert, berichtet Kim.

Im Mittelpunkt der jeweils ein bis zwei Minuten langen Filme steht die Geschichte der Kirche und ihres Inventars. Die Jugendlichen erklären, wo sich der älteste Teil des ab 1260 errichteten Gotteshauses befindet, wann der 600 Jahre alte Flügelaltar saniert worden ist und was es mit den Grabplatten im Inneren und Äußeren der Kirche auf sich hat. Vorgestellt werden außerdem der Taufstein und die Kanzel. Ein Video widmet sich den neuen, vom Glaskünstler Günter Grohs gestalteten Kirchenfenstern. Das Äußere des Gotteshauses wird ebenfalls erläutert, ein Film nimmt die Zuschauer auf einen Ausflug in den Glockenturm mit.

Zu einigen Themen haben sich die Jugendlichen eine Rahmenhandlung einfallen lassen. Zum Beispiel wird rund um die Ladegast-Orgel eine kleine Gespenstergeschichte gewoben. Wie ein Fernsehinterview kommt der Beitrag über die Kirchenfenster daher. „Wir wollten es interessant gestalten, damit man sich das Gesagte besser einprägen kann“, sagt Sarah. Nebenbei haben sie selbst viel über die Geschichte ihrer Kirche gelernt. Im Gottesdienst zum ersten Advent haben die Konfirmanden das Projekt vorgestellt.