Wernigerode l Das Projekt „Kulturkirche“ stößt nicht nur auf Gegenliebe. Die Kulturstiftung Wernigerode will die Liebfrauenkirche zum Konzertsaal ausbauen. An den Baukosten müsste sich die Stadt mit einer Million Euro beteiligen. Das stieß auf Kritik in den Fachausschüssen.

„Wir haben kein Geld für den Neubau der Kindertagesstätte in Reddeber, aber sollen drei Jahre lang jeweils 300.000 Euro für eine private Stiftung ausgeben“, polterte Linken-Stadtrat Christian Härtel. Das Projekt sei „reine Elitenbespaßung“, von der es in Wernigerode schon genug gebe. Sabine Wetzel (Bündnis 90 /Grüne) meldete ebenso Bedenken an. Man müsse genau überlegen, wie man das Geld in der Stadt verteilt. „Kulturkirche, das neue Feuerwehrgerätehaus in Minsleben und die Sanierung der Kita in Schierke – ich weiß nicht, wie wir das finanzieren sollen“, gestand Sozialdezernent Christian Fischer ein. Auf der anderen Seite sei „unstrittig, dass wir eine städtebauliche Verantwortung für die Kirche haben“, so Fischer.

Fünf Millionen Euro für Umbau

Die Kulturstiftung hatte das Gotteshaus im Januar von der Kirchgemeinde St. Sylvestri und Liebfrauenkirche abgekauft. Ziel der Stiftung ist es, die Kirche zu sanieren und über eine GmbH kostendeckend als Veranstaltungsstätte zu betreiben. Der Umbau kostet etwa fünf Millionen Euro. Rund vier Millionen könnten über ein Förderprogramm des Landes gedeckt werden. Den Rest müsste die Stadt als Eigenanteil übernehmen. Dazu müssten sich Stadtrat und Verwaltung jedoch zuerst bekennen.

Cary Barner (CDU) sieht den Umbau der Kirche durch die Kulturstiftung Wernigerode eine Perspektive für das Gebäude. „Dennoch müssen wir das gut überdenken. Was passiert, wenn sich die Stiftung oder die Betreiber-GmbH auflösen? An wen fällt die Kirche zurück?“

„Braucht die Stadt wirklich noch einen Saal“, fragte Lutz Walter im Kulturausschuss. „Ist es wirklich gerechtfertigt, dafür die historische Form der Kirche zu zerstören?“, so der Wernigeröder.

Am Volksstimme-Lesertelefon meldete sich Rainer Körner. Die Idee der Kirchenumnutzung finde der Wernigeröder gut. „Aber bitte nicht mit Geld aus der Stadtkasse finanzieren.“ Eine Million Euro sei „heftig“, zumal sich die Stadt selbst mit einer Kultur-Kirche zusätzlich Konkurrenz ins Haus holen würde. Sie betreibt die Feuerstein-Arena, über die 100-Prozent-Tochter GWW den Marstall und das Kino. Außerdem unterstützt die Stadt finanziell die Veranstaltungsstätte KiK-Saal im Harzer Kultur- und Kongresshotel.

Die benötigte eine Millionen Euro entspreche lediglich 20 Prozent der Baukosten, rechtfertigte Stiftungschef Rainer Schulze vor den Ausschussmitgliedern. Das Projekt sei „ausschließlich auf die innerstädtische kulturelle Erweiterung ausgerichtet“. Für die Stadt sei das eine „gute Chance“. Wenn die Kirchgemeinde beschlossen hätte, die Kirche selbst zu sanieren, wäre der städtische Anteil viel höher, gab Schulze zu bedenken. „Wir können die Kirche doch nicht mitten in der Stadt verfallen lassen – auch wenn sie jetzt noch in einem guten Zustand ist."