Wolmirstedt l Die historische Ratssitzung hat eine treue Fangemeinde und war auch in diesem Jahr einer der Höhepunkte des Programms. Stückeschreiberin Gudrun Billowie hatte wieder auf das gewohnte Erfolgsrezept gesetzt und historisch Verbürgtes mit Ärgernissen oder Kuriositäten aus der aktuellen Stadtgeschichte verquickt. Tatsächlich war 1779 der Stadtmusikant und Trompeter Georg Friedrich Plathow gestorben. In dem Stück ging es nun darum, geeigneten Ersatz zu finden.

Was den Ratsherren und -damen dazu alles so in den Kopf kam, wie sie über Vorschläge fabulierten, sich in die Haare kriegten und wieder versöhnten, war wieder ein Vergnügen.

Räte in ptächtigen Kostümen

Die Stadträte in ihren prächtigen Kostümen waren wie gewohnt mit großer Spielfreude bei der Sache. Burmester Martin Stichnoth und den zehn Stadträten war anzumerken, wie sie die öffentliche Aufmerksamkeit genossen. Wenn sich der Stadtrat zu seinen Beratungen trifft, sind ja sonst ganz selten Bürger anwesend. Dabei haben die vierteljährlichen Verbalduelle oft kaum weniger Unterhaltungswert als die historische Ratssitzung zum Stadtfest.

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Allerdings wird wohl im Rathaus eher selten ein Liedchen angestimmt. Zur Freude der Besucher ist das seit zwei Jahren bei der Historischen Ratssitzung üblich und würzte auch diesmal die gelegentlich gestelzten Wortgefechte. Freudig stimmten die bis auf den letzten Platz besetzten Ränge beispielsweise mit ein, als für Wolmirstedt umgeschriebene Hits wie „Ich hab mein Herz in Heidelberg (Wolmirstedt) verloren“, „Amsterdam“ (Wolmirstedt) oder „Hey, wir woll`n die Eisbären (den Hollmann) seh`n” erklangen.

Besonders Rebecca Lange, Uwe Claus, Heinz Maspfuhl und Alfons Hesse liefen auf der Bühne zu Höchstform auf. Aber auch Mark-Andrè Krogel-Riemann , Rudolf Giersch, Jürgen Bednorz, Christine Laqua, Hans-Jürgen Kirschner und Kurt Prilloff agierten gekonnt.

Probleme angesprochen

Wie üblich gab es auch bei der Auflage 2017 viele Anspielungen auf kleine und große Sorgen der Wolmirstedter heutzutage. Dazu gehörte der Ärztemangel, die fehlende Heizung in der Schlosskapelle, die Parkplatzgebühren, die häufig geschlossenen Bahnschranken oder die Suche nach einem passenden Namen für die neue Brücke.

Gefallen lassen mussten sich die Wolmirstedter auch, dass ihnen der Spiegel vorgehalten wurde. Beispielsweise, als es um die sehr dürftige Teilnahme am Frühjahrputz ging und von Ratsherr Hesse die Glindenberger als leuchtendes Beispiel genannt wurden. Aushalten mussten die Ohrestädter auch, dass sie als Spießbürger tituliert wurden.

Dafür zeigten sie sich keinesfalls prüde. Die erotischen Anspielungen im Stück wurden durchweg mit Beifall und Lachern aufgenommen. Erotik kam ins Spiel, als sich der hochwohllöbliche Rat unter zwei invaliden Kandidaten für das Amt des Stadtmusikanten entscheiden musste.

Mit der Wahl gegen den Magdeburger Musikanten Johann Joachim Koch (Tim Bethge) und für den Wolmirstedter Trompeter Hollmann (Philipp Bednorz) fand das Stück ein glückliches Ende und alle stimmten in das Abschlusslied „Eins kann uns keiner nehmen und das ist die pure Lust am Leben“ ein. Darauf gab der Burmester zum Schluss auch diesmal gerne Freibier für alle aus.