München (SID) l Die ARD kehrt im Sommer zu Live-Übertragungen der Tour de France zurück und ermöglicht dem Radsport wieder Auftritte auf der großen TV-Bühne. Der Sender wird ab dem 4. Juli täglich vom bedeutendsten Radrennen der Welt berichten. Das wurde von den Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beschlossen. Der Vertrag mit dem Tour-Veranstalter ASO läuft vorerst über zwei Jahre.

Anscheinend hat sich die ARD, die zuletzt 2011 live übertragen hatte, gegen Skandale abgesichert: Der Vertrag soll eine Ausstiegsklausel für weitere Dopingfälle erhalten. Weil das ZDF sich nicht an den TV-Übertragungen beteiligt, kommen auf die ARD allerdings erhebliche Mehrkosten zu. Die ARD zahlt etwa 2,5 Millionen Euro pro Jahr an die ASO und hat zudem einen deutlichen erhöhten Personalaufwand.

Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), wollte die Einigung auf SID-Anfrage noch nicht offiziell bestätigen. "Das wäre so etwas wie eine erfreuliche Normalisierung. Das Publikumsinteresse war immer groß, sollte der Radsport jetzt auf diese Bühne zurückkehren, würde mich das sehr freuen", sagte er und erklärte, der Radsport habe "seine Rosskur hinter sich".

2007 hatten ARD und ZDF während der Tour die Übertragungen abgebrochen, vorausgegangen war ein positiver Dopingtest beim damaligen T-Mobile-Profi Patrik Sinkewitz. Nachdem im Jahr zuvor der Fuentes-Skandal mit dem Sturz Jan Ullrichs die Szene in den Grundfesten erschüttert hatte, war dieser Fall einer zu viel. Bis zur Tour 2011 erfüllten die Öffentlich-Rechtlichen noch ihre Vertragspflicht, seit 2012 gab es nur noch nachrichtliche Berichterstattung.

Die deutschen Top-Radprofis begrüßen den Wiedereinstieg, geben dem Sender und ihrem Sport aber mahnende Worte auf den Weg. "Ich erhoffe mir weiter eine kritische, aber auch faire Berichterstattung der ARD, wie es sie in anderen Sportarten auch gibt", sagte der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin (Cottbus/29). Sprintstar Marcel Kittel (Arnstadt/26), Gewinner von acht Tour-Etappen, sprach von einer "schönen Botschaft und einer guten Nachricht für den deutschen Radsport".