Journalisten und Zeichner als Ziele von Anschlägen

Januar 2014: Die Brüder Chérif und SaÏd Kouachi stürmen in Paris die Redaktionsräume des religionskritischen Satiremagazins "Charlie Hebdo". Sie erschießen zwölf Menschen, darunter neun Journalisten. Zu den Toten zählt auch der unter dem Künstlernamen Charb bekannte Zeichner und Chef des Magazins, Stéphane Charbonnier. Im Zuge der Fahndung erschießt die Polizei zwei Tage später das Bruderpaar.

Februar 2013: Der 70 Jahre alte dänische Journalist Lars Hedegaard übersteht in Kopenhagen ein Attentat unverletzt und kann den unbekannten Täter selbst in die Flucht schlagen. Zuvor hatte eine Pistolenkugel den Kopf des Islamkritikers knapp verfehlt.

November 2011: Unbekannte verüben einen Brandanschlag auf die Redaktion des französischen Satireblattes "Charlie Hebdo". Es brachte am gleichen Tag ein Sonderheft zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien heraus und hatte sich dazu in "Scharia Hebdo" umbenannt. Als Chefredakteur war "Mohammed" benannt worden.

Mai 2011: Ein Kopenhagener Gericht verurteilt den Tschetschenen Lors Dukajew für einen versuchten Anschlag auf die Zeitung "Jyllands-Posten" zu zwölf Jahren Haft. Der 25-Jährige hatte sich 2010 in Kopenhagen bei der Explosion seines Sprengstoffes verletzt. Er wollte eine Briefbombe an die Redaktion der Zeitung schicken.

Mai 2010: Zwei Männer werfen Benzinflaschen durch ein Fenster in das Haus des schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks. Auf den Zeichner wurde bereits 2007 im Internet von einem El-Kaida-Ableger im Irak ein Kopfgeld von 150 000 Dollar ausgesetzt.

Januar 2010: Der dänische Zeichner Kurt Westergaard, von dem die Mohammed-Karikaturen in "Jyllands-Posten" stammen, entkommt nur knapp einem Attentat. Bereits 2008 hatten die dänischen Behörden Mordpläne gegen ihn aufgedeckt. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen.

November 2004: Der niederländische Islamkritiker Theo van Gogh bezahlt einen Film über die Unterdrückung der Frauen im Islam mit dem Leben. Er wird in Amsterdam von einem muslimischen Extremisten ermordet. Auf der Leiche hinterließ der Täter einen Brief mit Morddrohungen gegen weitere Niederländer. (dpa)

Kopenhagen (dpa/AFP) | Bei einer Schießerei in Kopenhagen sind drei Polizisten verletzt worden. Zudem sei mindestens ein Mensch getötet worden, meldet die Polizei vor Ort. Es soll sich dabei um einen 40-jährigen Zivilisten handeln.

Die Schüsse seien während einer Veranstaltung über Kunst, Gotteslästerung und Meinungsfreiheit von außen auf das Gebäude der Konferenz abgegeben worden, meldeten dänische Medien am Sonnabend. In den Fenstern des Hauses waren zahlreiche Einschusslöcher zu sehen.

Es werde nach zwei Tätern gefahndet, die von außen auf das Gebäude gefeuert haben sollen. Die Angreifer sollen mit einem VW Polo geflüchtet sein. Die dänische Polizei hält den tödlichen Angriff auf eine Diskussionsveranstaltung zur Meinungsfreiheit in Kopenhagen für eine "mögliche Terrorattacke".

Vergleich mit Charlie-Hebdo-Anschlag


Zu den Rednern bei der Veranstaltung gehörte demnach auch der schwedische Mohammed-Karikaturist Lars Vilks, anwesend war zudem der französische Botschafter François Zimeray. Beide seien nicht verletzt worden.

Zimeray sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Sie haben uns von außen beschossen. Dahinter steckte dieselbe Absicht wie bei \\\'Charlie Hebdo\\\' - außer, dass es ihnen nicht gelang hereinzukommen." Kugeln seien durch Türen gedrungen, alle Anwesenden hätten sich auf den Boden geworfen. Nach seiner Einschätzung wurden mindestens 50 Schüsse abgefeuert, fügte der Botschafter hinzu. Die Polizisten sprachen nach seinen Angaben sogar von 200 Schüssen.

Der französische Außenminister Laurent Fabius verurteilte den "Terrorangriff" in aller Schärfe. Der Elysée-Palast kündigte an, dass sich der Innenminister Bernard Cazeneuve an den Tatort begeben werde.

Bundespolizei unterstützt Fahndung


Nach der Schießerei in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen beteiligt sich die Bundespolizei an der Fahndung nach den flüchtigen Tätern. Das sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Sonnabend der Deutschen Presse-Agentur. Die dänischen Sicherheitsbehörden hätten um diese Unterstützung gebeten. Es geht um verstärkte Kontrollen und Fahndungsmaßnahmen im Grenzraum zwischen Deutschland und Dänemark.

Ein Sprecher des Bundeskriminalamts sagte, die Entwicklung werde aufmerksam beobachtet. Man stehe in engem Austausch mit den dänischen Kollegen. "Wir bewerten die Lage fortlaufend", betonte er. Für nähere Einschätzungen sei es aber noch zu früh.

 

Bilder

Schießerei bei Meinungsfreiheitskonferenz

Kopgenhagen (mh) l Bei einer Veranstaltung zu den Themen Blasphemie und Meinungsfreiheit gab es eine Schießerei. Ziel war vermutlich der dänische Künstler Lars Vilks.

  • Polizeiinspektor Jørgen Skov spricht mit Journalisten über die Terrorattacken. Foto: Britta Pedersen/dpa

    Polizeiinspektor Jørgen Skov spricht mit Journalisten über die Terrorattacken. Foto: Britta Pe...

  • Polizisten führen einen Mann kurze Zeit nach einem Schusswechsel nahe der Synagoge in Kopenhagen ab. Wenige Stunden nach einem Terrorangriff auf eine Kulturveranstaltung in der dänischen Hauptstadt, kam es nahe der Synagoge erneut zu einem Schusswechsel. Foto: Brigitta Gyldenfeldt/dpa

    Polizisten führen einen Mann kurze Zeit nach einem Schusswechsel nahe der Synagoge in Kopenhag...

  • Bei der Veranstaltung, die vom schwedischen Karikaturisten Lars Vilks organisiert wurde, sollen mehrere Menschen verletzt und eine Mensch getötet worden sein. Foto: Martin Sylvest/dpa

Das Gebiet um den Tatort in Kopenhagen ist weiträumig abgeschottet. Foto: Martin Sylvest/dpa

    Bei der Veranstaltung, die vom schwedischen Karikaturisten Lars Vilks organisiert wurde, solle...

  • Eine Polizistin vor dem Polizeipräsidium in Kopenhagen. Hier äußerte sich die Polizei zu den Terroranschlägen in der Stadt. Bei den Attentaten waren am Samstag und in der Nacht zum Sonntag zwei Menschen getötet und fünf verletzt worden, bevor die Polizei den mutmaßlichen Täter am frühen Morgen erschoss. Foto: Britta Pedersen/dpa

    Eine Polizistin vor dem Polizeipräsidium in Kopenhagen. Hier äußerte sich die Polizei zu den T...

  • Der französische Botschafter François Zimeray, der die Schießerei vor Ort miterlebt hat, erklärte, hinter der Tat stecke die gleiche Absicht wie bei dem Anschlage auf das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo.

    Der französische Botschafter François Zimeray, der die Schießerei vor Ort miterlebt hat, erklä...

  • Forensiker sichern nach der Schießerei in Kopenhagen Spuren. Foto: Mathias Oegendal/dpa

    Forensiker sichern nach der Schießerei in Kopenhagen Spuren. Foto: Mathias Oegendal/dpa

  • Beamte der Bundespolizei kontrollieren auf dem Autobahnrastplatz Handewitt an der A7 in Schleswig-Holstein Fahrzeuge aus Dänemark. Nach dem Terrorangriff auf eine Kulturveranstaltung in Kopenhagen wurden die Grenzkontrollen zwischen Dänemark und Deutschland stark verschärft. Foto: Benjamin Nolte/dpa

    Beamte der Bundespolizei kontrollieren auf dem Autobahnrastplatz Handewitt an der A7 in Schles...

  • Die Polizei in Kopenhagen hat bestätigt, dass bei dem Anschlag auf die Meinungsfreiheitskonferenz ein Mensch getötet wurde.

    Die Polizei in Kopenhagen hat bestätigt, dass bei dem Anschlag auf die Meinungsfreiheitskonfer...

  • Die Polizei von Kopenhagen sucht nach der Schießerei zwei Männer, die in einem VW Polo geflüchtet sein sollen. Foto: dpa

    Die Polizei von Kopenhagen sucht nach der Schießerei zwei Männer, die in einem VW Polo geflüch...

  • Der schwedische Künstler Lars Vilks. Ihm galt vermutlich der Anschlag von Kopenhagen. Foto: Bjorn Lindgren/dpa

    Der schwedische Künstler Lars Vilks. Ihm galt vermutlich der Anschlag von Kopenhagen. Foto: Bj...

  • Die Einschusslöcher im Fenster des Krudttonden Café in Kopenhagen sind deutlich zu sehen. Dort fand eine Veranstaltung zum Thema Meinungsfreiheit und Blasphemie statt. Foto: dpa

    Die Einschusslöcher im Fenster des Krudttonden Café in Kopenhagen sind deutlich zu sehen. Dort...

  • Mit Hunden suchen Polizisten nach Spuren. Foto: dpa

    Mit Hunden suchen Polizisten nach Spuren. Foto: dpa

  • Dieses Foto wurde von der dänischen Polizei herausgegeben. Es handelt sich um die Aufnahme einer Überwachungskamera, das in dem Bereich aufgenommen wurde, in der das mutmaßliche Fluchtfahrzeug abgestellt wurde. Es könnte sich dabei um den mutmaßlichen Attentäter handeln. Foto: Polizei/dpa

    Dieses Foto wurde von der dänischen Polizei herausgegeben. Es handelt sich um die Aufnahme ein...