Mainz (dpa) | Ungewöhnlicher Prozess am Montag in Mainz: Im Staatstheater verhandelten Jurastudenten über die Verbrechen im Märchen "Der gestiefelte Kater". Bei der fiktiven Gerichtsverhandlung ging es unter anderem um Zwangsheirat, illegalen Waffenbesitz, Geiselnahme und Tierquälerei. Über den Schauprozess richtete ein Juraprofessor. Die Zeugen spielten die Darsteller des diesjährigen Familienstücks, das bisher rund 30.000 Zuschauer gesehen haben.

Hintergrund der eigentümlichen Veranstaltung: Jurastudenten aus Mainz und Frankfurt sollten im spielerischen Umgang mit dem Märchenstoff das ganze Wissen aus ihren juristischen Lehrbüchern einmal in der Praxis anwenden.

In weinroter Samtjacke und prächtigen, weißen Stiefeln hockte der Kater auf der Anklagebank. Seine Schnurrhaare zuckten nervös, als der Richter mit ihm sprach. Mit auf der Anklagebank saßen neben dem Kater auch dessen Herrchen Hans und eine Prinzessin.

Knast für den gestiefelten Kater


Verhandelt wurden Vergehen aus dem Märchen: Eine Rauferei im Wirtshaus, unterlassene Hilfeleistung an zwei Zauberlehrlingen - und der versuchte Mord an einer Maus. Gemeinsam versuchen die drei Angeklagten, den Richter und die Staatsanwaltschaft um den Finger zu wickeln: der Kater maunzend, Hans nervös stotternd, die Prinzessin augenklimpernd.

Doch auch deren Schlusswort ("Wir sind hier die Guten!") half am Ende nicht wirklich. Nach rund zweieinhalb Stunden Verhandlung sprach der Richter das Urteil: "Der gestiefelte Kater" muss für drei Jahre ins Gefängnis - "oder wahlweise in ein Tierheim", wie der Richter ergänzte. Die beiden Mitangeklagten wurden zu Bewährungsstrafen von je einem Jahr verurteilt.

Die Urteile sprach Richter Wolfgang Eckert. Der 55-Jährige ist Vorsitzender Richter am Landgericht Mainz. Er fand die Idee vom Schauprozess originell und spannend: "Weil man den Studenten dadurch das Prozessuale ein bisschen näherbringen kann."