Berlin/Frankfurt - Tiefrot, formvollendet, romantisch: Rosen sind für viele Deutsche die Liebesboten Nummer Eins unter den Blumen. Doch die edlen Blüten haben häufig versteckte Schönheitsfehler.

Gift in Blumen - das möchte eigentlich niemand verschenken. Trotzdem gelangen am Valentinstag (14. Februar) tausendfach Pestizidreste in deutsche Wohnungen. Die unsichtbare Fracht steckt oft in Rosen, besonders wenn sie aus Afrika kommen.

"Der Verbraucher erfährt nicht im geringsten, wo die Rosen herkommen", macht Pestizid-Experte Tomas Brückmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) deutlich. Eine Kennzeichnung fehle. Wie weit die Blumen gereist sind, wie ihre Ökobilanz aussieht und welche unerwünschte Mitgift sie vielleicht zwischen den Blütenblättern verstecken, sieht man ihnen nicht an. "Unsere Empfehlung ist, auf Rosen in der kalten Jahreszeit ganz zu verzichten", sagt Brückmann.

In Europa blühen normalerweise keine Rosen im Winter. Verlangt werden sie aber das ganze Jahr über. 2013 lag die Königin der Blumen bei den Verkäufen in der Valentinswoche ganz weit vorn: 61 Prozent der Ausgaben für Schnittblumen entfielen auf die Rose, teilte die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn mit. Platz zwei belegte die Tulpe mit 15 Prozent. Insgesamt wurde mit Blumen in der Valentinswoche rund 120 Millionen Euro Umsatz gemacht.

Winterrosen kommen nicht selten aus Afrika oder Südamerika. Meist werden sie von dort nach Holland geliefert, da versteigert und schließlich im Laden an der Ecke verkauft. BUND, das Magazin "Öko-Test", TransFair und andere Organisationen monieren immer wieder, dass die Rückstände von Pflanzenschutzgift in vielen Blumen zu hoch seien. Die Öko-Tester haben zuletzt im Mai 2011 Rosen unter die Lupe genommen. Nur zwei von 22 getesteten Rosensträußen erhielten die Test-Bestnote Gut. Mangelhaft waren dagegen vier Sträuße, ungenügend sogar fünf. Nicht ein einziger Strauß war gänzlich frei von Pestizidrückständen.

Die BUND-Partnerorganisation Global 2000 aus Österreich habe im Januar 2013 bei einem Test in einer Blume 31 verschiedene Wirkstoffrückstände gefunden, sagt Brückmann. Welche Gefahr für die Kunden von den Stoffen ausgehe, sei noch recht wenig erforscht. "Die gesundheitliche Belastung für die Arbeiter in Kenia und Äthiopien ist aber enorm." Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten und Hautekzeme seien häufige Folgen. Durchs Gießen würden die Gifte auch ins Grundwasser und in Brunnen sickern. "Das knappe Gut Trinkwasser wird pestizidbelastet," erklärt der Experte.

Das Magazin "Öko-Test" rät trotzdem nicht vom Kauf afrikanischer Rosen ab. Zum einen seien sie Studien zufolge trotz langer Wege klimafreundlicher als holländische Gewächshausrosen, weil sie im Freien wüchsen und weder künstliches Licht noch Heizungswärme brauchten, heißt es im Testbericht. Zum anderen sei die Blumenindustrie ein wichtiger Wirtschafts- und Überlebensfaktor gerade für Frauen in den Ländern. Doch die Bedingungen müssten besser werden.

Eine Alternative zum Verzicht heißt Fairtrade.
Blumen mit dem Siegel boomen. Von 2011 auf 2012 sei der Verkauf sprunghaft von 81 Millionen Stiele auf 257 Millionen angestiegen, teilte TransFair mit. 2013 wurden nach ersten Hochrechnungen 320 Millionen Stiele verkauft. 95 Prozent seien Rosen, sagt Sprecherin Claudia Brück. Damit hätten mittlerweile fast ein Viertel der verkauften Rosen das Siegel. Zwar waren auch diese Blumen in Tests nicht rückständefrei, aber sie schneiden etwa bei "Öko-Test" relativ gut ab. Auf 122 Pestizidarten müsse hier verzichtet werden, erklärt Brück. Der Wasserverbrauch sei reduziert, gebrauchtes Wasser werde recycelt. Auf Arbeitssicherheit, Ruhezeiten und Löhne werde geachtet.


Zu Rosen gibt es außerdem Alternativen, wie der Fachverband Deutscher Floristen erklärt. Pastellfarbene Frühlingssträuße, die wie selbstgepfückt aussehen, seien im Trend, berichtet Verbandssprecherin Nicola Fink. Gut würden in Tests auch Tulpen abschneiden, die meist aus Holland kämen, sagt Brückmann. Zudem entscheidet sich ein Drittel aller Valentins-Blumenkavaliere für Topfpflanzen, und dabei besonders häufig für Orchideen (59 Prozent). Pralinen gibt es auch noch. Und Brückmann empfiehlt schmunzelnd: "Küsse statt Gift."