Berlin - Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagt dem Mangel an Altenpflegern den Kampf an. Reserven gebe es etwa bei unfreiwillig teilzeitbeschäftigten Pflegekräften, sagte Gröhe der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Zu Zweifeln in der Branche an der Verwirklichung eines neuen Pflegebegriffs und somit an Verbesserungen für viele Demenzkranke sagte Gröhe: "Mein Ziel ist, bald mit der Erprobung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs zu beginnen."

Die heutigen drei Pflegestufen sollen durch Pflegegrade ersetzt werden. Menschen mit Einschränkungen bei Wahrnehmung und Bewusstsein sollen dann verstärkt Pflegeleistungen bekommen. Mit der anstehenden Probephase solle sichergestellt werden, "dass die Verbesserungen auch tatsächlich beim einzelnen Pflegebedürftigen ankommen", sagte Gröhe. "Den Gesetzgebungsprozess dafür wollen wir in dieser Legislaturperiode schaffen." Zuvor sollten in einem ersten Schritt Anfang 2015 Verbesserungen auch für Angehörige eingeführt, Pflege und Beruf besser vereinbar und Leistungen flexibler bewilligt werden.

Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, warnte davor, "die Reform in der Pflege auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben". Der Gesundheitsminister müsse eine Pflegeagenda vorstellen und das Kabinett diese verbindlich beschließen. "Zwischenschritte und Endergebnis müssen an einen Zeitplan gebunden sein", hieß es in einer Mitteilung Brschs am Sonntag.

Vertreter der Pflegebranche hatten gemahnt, nicht mehr Leistungen einzuführen, ohne die Zahl der Pfleger und dazu die Attraktivität des Berufs zu erhöhen. Gröhe unterstrich nun: "Wir brauchen mehr Fachkräfte in der Pflege." Mit den Ländern sei 2012 eine deutliche Erhöhung der Ausbildungsplätze in dem Bereich bis 2015 verabredet worden. In anstehenden Gesprächen mit den Ländern über eine Neuausrichtung der Pflegeausbildung müsse auch eine Zwischenbilanz zu der Ausbildungsinitiative gezogen werden.

"Bei meinen Gesprächen höre ich aber auch, dass viele Pflegekräfte unfreiwillig in Teilzeit arbeiten", sagte Gröhe. "Es macht keinen Sinn, wenn wir über die sicher auch notwendige Zuwanderung von Pflegekräften reden, zugleich aber Pflegekräfte nur eine Teilzeitstelle erhalten, obwohl sie gerne mehr arbeiten würden." Anstehende Gespräche mit den Arbeitgebern zielten darauf ab, diese Reserve zu heben.

"Und wir wollen mehr Betreuungskräfte in den stationären Einrichtungen einstellen, die mit den Pflegebedürftigen auch einmal spazieren gehen, ihnen vorlesen oder einfach ein Gespräch führen." Das entlaste auch die Fachkräfte, sagte Gröhe.

Zur Finanzierung der Reform haben Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, den Pflegebeitragssatz innerhalb der Legislaturperiode um insgesamt 0,5 Punkte auf 2,55 Prozent (Kinderlose: 2,8 Prozent) anzuheben.