Waren selbst prüfen

Kinderspielzeug:
Wer Spielsachen kaufen will, sollte sie im Handel nicht nur anfassen. Sondern daran so gut wie möglich zerren und ziehen. "Betasten und befühlen Sie die Sachen so, dass Sie davon ausgehen können, dass auch das Kind beim Spielen keine Teile ablösen kann", erläutert Dirk Petersen von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Fühlen sich die Oberflächen unangenehm an, wirken sie etwa klebrig, sollten Sie auf jeden Fall davon Abstand nehmen." Dann sollten Eltern und Verwandte an dem Spielzeug riechen: Hat es einen stechenden Chemiegeruch, am besten nicht kaufen, warnt Petersen. "Wir raten bei Kunststoffspielzeug auch, auf PVC zu verzichten."

Kleidung:
Für Textilien gibt es kaum Informationen für Käufer. Auch hier rät Dirk Petersen von der Verbraucherzentrale Hamburg: "Der Geruch von Produkten kann Hinweise darauf geben, ob man sie besser liegen lässt." Beißende, stechende chemische Noten ließen sich durchaus vom typischen Geruch neuer Textilien unterscheiden.


Verbraucher können auch in vielen Fällen beim Hersteller erfragen, ob in Kleidung Schadstoffe enthalten sind. Auf der Seite www.reach-info.de des Umweltbundesamtes (UBA) geben sie die Artikelnummer unter dem Strichcode des Produktes ein. Die Anfrage wird an den Hersteller oder Händler geschickt. Diese müssen innerhalb von 45 Tagen Auskunft geben. Dieses Recht auf Auskunft haben Verbraucher aber nur für Stoffe, die unter die europäische Verordnung REACH fallen und damit als besonders besorgniserregend gelten.

Kosmetika: In Kosmetika müssen alle Inhaltsstoffe auf der Verpackung aufgeführt sein. Was hinter den Bezeichnungen steckt, können Verbraucher recherchieren - und zwar in der sogenannten INCI-Liste ("International Nomenclature Cosmetic Ingredients"). Das Register listet die häufigsten in kosmetischen Mitteln verwendeten Stoffe sowie deren Wirkung auf.

Brüssel (dpa) | Manche Textilien, Spielsachen oder Kosmetika gefährden die Gesundheit des Verbrauchers. EU-Kontrolleure spüren solche Produkte häufig auf und verbannen sie aus den Regalen. Die Zahl der Warnungen wächst. Die meisten Risiko-Waren stammen aus China.

Explosive Wasserkocher und Schuhe mit hautreizenden Chemikalien: Die Zahl gefährlicher Produkte in Europa wächst weiter. Im vergangenen Jahr haben Europas Kontrolleure 2364 Waren, die die Gesundheit gefährdeten, aus den Regalen verbannt. Das war ein Plus von knapp vier Prozent gegenüber dem Vorjahr, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel bei der Vorlage des "Rapex"-Jahresberichts mit. In der Hälfte der Fälle handelte es sich um giftige Textilien und riskantes Kinderspielzeug.

Ein Grund für den Zuwachs war laut EU-Kommission die schärfere Überwachung. "Der Anstieg ist das Ergebnis einer besseren Kontrolle und einer besseren Aufsicht durch die nationalen Behörden", sagte EU-Verbraucherkommissar Neven Mimica.

Kleidung am häufigsten betroffen

Die Behörden warnten die Verbraucher mit Rückrufaktionen, nahmen die Produkte vom Markt oder verhängten Verkaufsverbote. "Solch gefährliche Produkte können Menschen verletzen oder sogar töten", sagte Mimica. Das Risiko sei besonders für Kinder hoch: Sie könnten an losen Kleinteilen von Spielsachen ersticken oder sich an Schnüren von Pullis strangulieren.

Am häufigsten schlugen die Kontrolleure bei Kleidung und Spielsachen Alarm, die je ein Viertel der beanstandeten Produkte ausmachten. Kleidung und Schuhe können die Haut reizen, Allergien auslösen oder krebserregende Stoffe enthalten. An dritter Stelle lagen Elektrogeräte, die etwa defekte Stecker besaßen und deshalb in Flammen aufgingen oder einen Stromstoß erzeugten. Auch Kosmetik wurde häufig beanstandet.

Gefährliche Waren am häufigsten aus China

Fast zwei Drittel der Ware (64 Prozent) kam aus China - deutlich mehr als im Vorjahr (58 Prozent). Die EU-Kommission bemühe sich um eine bessere Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden, sagte der EU-Kommissar. Doch auch vor 55 Produkten aus deutscher Herstellung wurde gewarnt. Aufgrund der scharfen Kontrollen lag Deutschland bei den Meldungen EU-weit auf dem zweiten Platz, die meisten Warnungen kamen aus Ungarn.

"Rapex" ist eine Datenbank der EU, über die sich die EU-Staaten gegenseitig vor gefährlichen Produkten warnen. Auf diese Weise können Waren, die eine Gefahr für Verbraucher darstellen, schneller aufgespürt und vom europäischen Markt genommen werden. Das System ist seit zehn Jahren im Einsatz.