Cambridge | Im piekfeinen Cambridge zeugt sogar der Vandalismus von Niveau. Dort haben ein paar vermeintliche Schurken neulich nachts Straßenschilder bemalt - wollten damit allerdings nur die englische Sprache beschützen. Die Bösewichte sind nämlich in Wahrheit Mitglieder der "Good Grammar Company" - eine Organisation, die Angestellte in Rechtschreibung trainiert. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Genitiv-Apostroph zu retten.

In Gefahr gebracht wurde das unschuldige Häkchen durch die Regierung in London. Sie hat Städten und Gemeinden geraten, das Apostroph bei Straßennamen zu streichen. Denn "Kings Boulevard" können Computer besser lesen als "King´s Boulevard". Das hilft, Verwirrungen vorzubeugen. Die Aktivisten der Good Grammar Company haben dafür kein Verständnis. "Wenn sie jetzt die Apostrophe weglassen, sind als Nächstes die Kommas dran", wettern sie.

Sich in die Lage der Sprachverfechter zu versetzen, fällt nicht schwer. Schließlich haben wir in Deutschland genau das umgekehrte Problem. Unsere Ladenschilder und Autoheckscheiben strotzen nur so vor Karl´s Kiosken und Susi´s Hundesalons. Böse Zungen nennen jenes überflüssige Häkchen "Deppen-Apostroph". Allerdings werden sie sich an das Ungetüm gewöhnen müssen. Hat doch der Duden die Schreibweise inzwischen für zulässig erklärt. Da möchte man sich doch glatt ein Beispiel an den Leidensgenossen aus Cambridge nehmen - und dem Karl nachts heimlich an seinem Schildchen herumkratzen.