Regensburg/Berlin - Wegen eines Plagiatsvorwurfs überprüft die Universität Regensburg die Doktorarbeit von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Ihr Ombudsmann für solche Fälle, Professor Christoph Meinel, erklärte auf Anfrage: "Arbeit und zugehörige Unterlagen liegen mir seit heute zur Prüfung vor."

Erste Hinweise hätten ihn bereits am Montag erreicht. Über die Vorwürfe hatten zuvor mehrere Medien berichtet. Müller hatte 1987 über "Die Junge Union Bayern und ihr Beitrag zur politischen Jugend- und Erwachsenenbildung" promoviert.

Der Minister wies die Vorwürfe zurück und begrüßte, dass die Uni den Fall untersucht. Dies werde für Klarheit sorgen, sagte eine Sprecherin Müllers der Nachrichtenagentur dpa. "Bei der fraglichen Textpassage im theoretischen Teil wurde die Quellenangabe eindeutig vermerkt." Die Vorwürfe seien nicht nachvollziehbar, da das Thema der Arbeit und der Gegenstand der empirischen Untersuchung erstmalig 1987 vom Verfasser bearbeitet worden sei und es somit keine vergleichbare Arbeit gegeben habe.

Müller ist nach Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, Ex-Landkreispräsident Jakob Kreidl und CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer der vierte CSU-Spitzenpolitiker, der mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert ist. Parteichef Horst Seehofer sagte am Rande der CSU-Fraktionssitzung im Landtag lediglich: "Abwarten".

Mit den Vorwürfen hatte sich der Nürnberger Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder in den vergangenen Tagen an die Öffentlichkeit und den Uni-Ombudsmann gewandt. Müller habe Texte aus Arbeiten des Politologen und späteren CDU-Politikers Wolfgang Hackel übernommen, ohne dies mit Anführungszeichen als Zitat zu kennzeichnen, sagte Heidingsfelder der dpa. Müller habe erst Seiten nach Zitatbeginn die Quelle erwähnt.

Heidingsfelder bietet unter dem Firmennamen Politplag auf Honorarbasis die Überprüfung von Politiker-Dissertationen an. In diesem Rahmen sei ihm auch Müllers Dissertation auf den Tisch gekommen. Er hatte - damals noch nicht als Firma - auch bei Recherchen im Zusammenhang mit Plagiatsvorwürfen gegen den damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mitgewirkt. Guttenberg war im Zuge der Affäre zurückgetreten.