Mailand (dpa) | Aufs Altenteil will er politisch immer noch nicht, in ein Seniorenheim muss Silvio Berlusconi jetzt aber doch. Denn die Mailänder Richter ersparen dem dreifachen italienischen Regierungschef zwar die engen Fesseln eines Hausarrestes. Abbüßen muss der skandalumwitterte Medienzar, rechtskräftig verurteilt wegen Steuerbetrugs, seine Strafe aber irgendwie doch.

Also schloss sich die Justiz, von der sich der überführte Straftäter seit Jahrzehnten politisch verfolgt fühlt, der Verteidigung wie den Staatsanwälten an: Berlusconi wird zum sozialen Dienst an älteren Menschen beordert, in ein Zentrum der katholischen Stiftung Sacra Famiglia in Cesano Boscone. Das liegt nur etwa 40 Minuten von seiner Villa entfernt, Schauplatz der als wild beschriebenen "Bunga, Bunga"-Feste.

Alles in allem kommt Berlusconi damit also doch recht gut weg. Zumal die Justiz ihm großzügige Bedingungen dafür einräumt. Am liebsten wäre er natürlich gar nicht verurteilt worden, weil er sich - wie in all seinen anderen Prozessen - als völlig unschuldig ansieht. Die bereits auf nur ein Jahr geschrumpfte Reststrafe aus dem Mediaset-Prozess hatte Berlusconi eigentlich lieber bei Behinderten ableisten wollen.

"Mindestens einmal in der Woche und dabei nicht unter vier Stunden am Stück", diesen Sozialdienst legte das Tribunal für den prominenten Verurteilten fest. Das hört sich doch äußerst glimpflich an, zumal sich die Gesamtperiode des Sozialdienstes bei guter Führung noch auf zehneinhalb Monate verkürzen dürfte.