Kiel - Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) hat die fehlende Bereitschaft insbesondere unionsgeführter Länder zur Zwischenlagerung von Atommüll kritisiert.

"Gerade die Länder, die bis zum Schluss für die Atomenergie gekämpft und von ihr - auf Kosten der Zukunft - profitiert haben, verweigern sich", sagte Habeck in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Für den historischen Fehler Atomenergie wolle niemand geradestehen - "eine erbärmliche Form von Politik".

Habeck verwies darauf, dass der Standort für ein Atommüll-Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland erst bis zum Jahr 2031 feststehen solle und dann das Lager noch gebaut werden müsse. Er betonte, die gerade gegründete Endlagersuche-Kommission werde Kriterien für einen geeigneten Standort definieren, aber nicht einen Standort empfehlen. Habeck gehört als Vertreter Schleswig-Holsteins der Kommission an.

"Die Kommission soll dafür bürgen, dass sich die Fehler der Vergangenheit, wie sie mit der Festlegung auf Gorleben gemacht wurden, nicht wiederholen", meinte Habeck. Sie müsse die Kriterien für eine Endlagersuche öffentlich nachvollziehbar und im steten Austausch mit der Gesellschaft entwickeln und darlegen. "Wir haben mit dem Einstieg in die Atomenergie einen historischen Fehler gemacht." Und dennoch: "Der Atommüll muss irgendwo hin."

Man müsse sich klar darüber sein, dass der Atommüll nicht nur für einige Jahrzehnte, sondern für eine Million Jahre gelagert werden müsse. "Die Vorbereitung auf die Kommissionsarbeit zeigt mir einmal mehr, welch ein unverantwortlicher Irrsinn die Atomkraft ist", sagte Habeck.

Er begrüßte, dass nach langem Widerstand und Zögern auch der BUND in der Kommission mitarbeiten will. "Wenn man jetzt die Gunst der Stunde nicht nutzt, dann endet alles wieder bei Gorleben. Deshalb freue ich mich, dass der BUND doch mitmacht. "Es ist eine mutige und richtige Entscheidung. Probleme zu lösen, bedeutet eben, Verantwortung zu übernehmen."